Glas, Plaste, Blech und Karton – Mehrweg oder Einweg?

Letztens wurde im Saftblog fleissig diskutiert, in welcher Verpackung man am sinnvollsten Flüssigkeiten kauft. Auslöser für die Diskussion war das hohe Gewicht leerer Glas-Mehrwegflaschen.

Ich hatte daraufhin beim Bundesumweltministerium ein wenig zu den Ökobilanzen der Gefäße nachgeforscht. Als Ergebnis ergab sich folgendes:

  • PET-Mehrwegsysteme sind am besten.
  • Kurz danach folgen Glas-Mehrwegsysteme.
  • Dem Glas-Mehrweggefäß in etwa ebenwertig ist der Getränkekarton.
  • PET-Einwegsysteme mit Rücklauf (aus alter Flasche mache eine neue Flasche) sind in der Ökobilanz nicht konkurrenzfähig.
  • PET-Einweg ohne Rücklauf und Weißblechdosen schneiden in den Ökobilanzen am schlechtesten ab.

Leider standen diese Erkenntnisse nicht so deutlich in den Studien und so fragte ich mal beim Bundesumweltministerium nach. Hier die Antwort:

Sehr geehrter Herr Janosch,
herzlichen Dank für Ihre Anfrage und für Ihr Interesse am Umweltschutz!

Wir empfehlen: Nehmen Sie im Zweifelsfall Mehweg – damit sind Sie immer auf der sicheren Seite, egal ob Glas oder PET. Getränkekartonverpackungen (Tetrapak ist nur einer von mehreren Herstellern) sind aus ökobilanzieller Sicht nicht schlechter als Mehrweg. Von PET-Einweg raten wir aus Umweltsicht eindeutig ab.

Nun stehen die Verpackungen PET-Mehrweg, Glas-Mehrweg und Getränkeverbundkarton in der Regel nicht zu dritt in unmittelbarer Konkurrenz zueinander. Saft beispielsweise gibt es in Glas-Mehrweg und im Karton, aber PET-Mehrweg-Flaschen für Saft gibt es nur sehr vereinzelt. Mineralwasser mit Kohlensäure beispielsweise kann man nicht in den Getränkekarton abfüllen, das ist klar. In der Regel hat man also, wenn man einmal die aus Umweltsicht eindeutig nachteiligen PET-Einwegflaschen außer Acht lässt, entweder die Wahl zwischen Glas- und PET-Mehrweg wie beim (kohlensäurehaltigen) Mineralwasser oder Limonade oder zwischen Glas-Mehrweg und Getränkeverbundkarton wie beim Saft.

Beides ist jeweils eine gute Entscheidung!
Leider schon wieder keine eindeutige Ansage – außer dass wir von PET-Einweg abraten.
Aber leider ist es wirklich nicht so einfach – zum Beispiel erkennt man oft gar nicht, wieviele Kilometer Transport die Verpackung vom Hersteller bis in den Laden wirklich zurückgelegt hat. Mit zunehmender Transportdistanz schrumpft natürlich der Vorteil der Mehrwegflasche – das ist korrekt. Eine genaue Kilometergrenze, ab der der Getränkekarton die Mehrwegflasche „überholt“,  können wir Ihnen nicht nennen. Die Grenze ist vom Flaschentyp, von den genauen Transportdaten (Kastentyp? Palettentyp? Bahn? LKW? Welcher LKW? Auslastung des LKW? usw usf) und vielen anderen Faktoren abhängig und dürfte so etwa bei einigen hundert Kilometern liegen – für PET etwas höher als für Glas, wegen des geringeren Transportaufwandes bei den leichteren Flaschen.
Saft aus der Saftkelterei aus dem Nachbarort ist in Glas-Mehrweg auf jeden Fall umweltfreundlicher verpackt als im Getränkeverbundkarton. Regionale Produkte zu kaufen ist aus Umweltsicht immer eine gute Empfehlung, auch damit die regionale Vielfalt erhalten bleibt – dann empfehlen wir Mehrweg. Wenn man unbedingt in Flensburg Saft aus einer Kelterei in Garmisch-Partenkirchen kaufen möchte – nun, dann ist möglicherweise der Getränkekarton die bessere Wahl.

Sie sehen, es ist kompliziert. Aber die gute Nachricht: Sie können, wenn Sie PET-Einweg, Dosen usw. meiden, eigentlich gar nicht viel falsch machen.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Hinweisen ein wenig weiterhelfen konnten.

Ich hatte die fetten Studien also gar nicht so falsch gedeutet. Beachtenswert ist, dass nur die PET-Mehrwegsystem ökologisch sinnvoll sind. Das was die Discounter fleissig verkaufen sind zwar Pfandflaschen, aber keine Mehrwegflaschen, also Pfand-Einwegflaschen. Diese sind NICHT empfehlenswert.

Wer also regionale Produkte in Glasflaschen kauft, macht auf jeden Fall keinen Fehler!

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4 Antworten zu Glas, Plaste, Blech und Karton – Mehrweg oder Einweg?

  1. Danke, sehr guter Artikel. Wobei ich von PET generell abraten würde, auch bei Mehrweg:
    „Zum Beispiel werden Getränke bei der Abfüllung entkeimt, was bei Glasflaschen einfach durch Erhitzen geschieht. Bei PET-Flaschen ist das jedoch nicht möglich, also verwendet man Chemiekalien wie Dimethyldicarbonat. Der Stoff reagiert mit dem Getränk und ist danach abgebaut. Deswegen muss er nicht deklariert werden.“
    Quelle: http://www.leben-ohne-diaet.de/text/buch/manipulierte-lebensmittel/industrielle-verarbeitung.html

    Wobei ganz interessant dazu auch der Bericht in Plusminus ist:
    http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,3cke0wc33d04aa2r~cm.asp

  2. Danke für die die interessanten Recherchen. Ich halte die Mehtodik der Studien für realitätsfremd. Hier wird zB. davon ausgegangen, daß Glasflaschen in einem Regionalkreislauf „unterwegs“ sind. Ein Blick in unser Leergutlager zeigt jedoch: gut ein Drittel des Leeergutes ist mehrere Hundert Kilometer durch die Republik gekart worden. Da finden sich halbe Paletten von Kelterei aus Mecklenburg-Vorpommern, Kästen mit Flaschen von Herstellern aus Baden-Württemberg und Hessen. Wenn ich mir die Mühe machen würde, daß mal durchzuzählen, käme ich auf etliche tausend Flaschen , die einst von Fruchtsaftbetrieben mit Entfernungen größer 300 Kilometer abgefüllt worden sind. Studien sind schön und gut, aber ich verlasse mich da doch lieber auf das was ich täglich in unserem Betrieb sehe und erleben kann.

  3. Stephan . sagt:

    Wenn es aber ein einheitliches Glasflaschensystem gibt, dann muss das Leergut ja nicht bis zur Quelle zurückgefahren werden, sondern nur bis zur nächstgelegenen Stelle, die die gleiche Flaschenart befüllt.

    Nichts destotrotz bin ich mal gespannt, zu welchen Ergebnissen du (Jörg) kommen wirst, falls du eure Flaschenbilanz mal anschaust. Letztlich gibt es für die Kelterei Walther ja nur die Saftbox als Alternative. Und die wird aufgrund ihrer Effizienz sicher nicht schlecher als ein normaler Saftkarton abschneiden. Volumen wächst ja kubisch, Verpackung nur quadratisch.

  4. Pingback: eds blog

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