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Nachhaltige Gesetze von der Bundesregierung

Montag, den 1. Juni 2009

Auf den Webseiten der Bundesregierung erfährt man folgendes:

Künftige Gesetze sollen nachhaltig sein. Das beschloss die Bundesregierung mit der Änderung der Gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesministerien. Nachhaltige Entwicklung heißt, ökologische Ziele sind gleichberechtigt neben wirtschaftlichen und sozialen Zielen zu berücksichtigen.

Wenn ein Ministerium künftig ein neues Gesetz plant, sollen möglichst frühzeitig gefragt werden: Trägt es dazu bei, das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung zu erreichen oder gerät es mit diesem Ziel in Konflikt?

Auswirkungen für die nächsten Generationen

Gesetze werden damit auf ihre Wirkungen unter ökonomischer, ökologischer und sozialer Sicht geprüft. Auf diese Weise wird deutlich, welche Vor- und Nachteile ein Gesetz für künftige Generationen hat. So lassen sich besser politische Entscheidungen für die Zukunft treffen.
Ein paar Bemerkungen von mir dazu:
  • Warum zur Hölle kommt das erst jetzt?

    Die Idee zur Nachhaltigkeit ist über 400 Jahre alt oder gar älter. Wir Menschen sind anscheinend zu blöd zielgerichtet zu handeln und verplempern viel Zeit mit Herumprobieren. Selbst wenn man an 1972 zurückdenkt, fragt man sich, was in den Köpfen die letzten 27 vor sich ging. Gut, man muss schauen ob die Prognosen stimmen, aber die Ölkrisen waren doch Warnung genug.

  • Wie lange dauert die Umsetzung dieser Geschäftsordnung? Und überhaupt, warum kommt das nicht auf EU-Ebene? Und was passiert mit alten Gesetzen, werden die überarbeitet?

  • Warum hab ich in dem Medien nix darüber gelesen? Ist das zu abstrakt? Das sind grundlegende Themen die die Bevölkerung betreffen und nicht irgendwelche Unterhaltungsthemen. Auf sowas muss die Presse dauernd hingucken.
Ein praktisches Beispiel, wo diese Regelung hätte greifen können.

Rettung von Opel

Da werden 1,5 Mrd. € vom Volke für die Rettung eines überflüssigen Transportsystemherstellers zweckentfremdet, anstatt dass man eine Mobilität fördert, die auf einer sinnvolle Entwicklung zugunsten dezentralen Energien beruht. So wird der nächste Opel bestimmt mit Erdgas fahren können, so dass wir den Russen unseren Wohlstand in den Pelz schieben und nicht mehr den Saudis.

Fazit

Es liest sich nicht schlecht, aber wie schnell ändert diese Nachricht den Lauf der Dinge? Bestimmt nicht schnell genug. Zu viel Geld steckt in Strukturen, die Sparsamkeit und Effizienz im Wege stehen (ich meine 100 Jahre Ölzeitalter). Mit dem Totschlagargument “Arbeitsplätze sichern” kann das Wirtschaftsministerium mit Leichtigkeit einen Strukturwandel in die Nachhaltigkeit ausbremsen, da ja viele alte Arbeitsplätze wegbrechen würden. Naja…die Hoffnung stribt zuletzt.

Nachhaltige Entwicklung braucht kulturellen Fortschritt

Montag, den 29. September 2008

Der WDR-Lernzeit-Podcastfeed (rss) hat mich auf eine Sendung aufmerksam gemacht:

WDR 5 – das philosophische Radio über nachhaltige Entwicklung (mp3)

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Zu Gast in der Sendung war Werner Mittelstaedt (Homepage) der ein neues Buch mit dem Titel “Das Prinzip Fortschritt” geschrieben hat.

Die Sendung beginnt mit der Frage:

Ist die Welt heute besser, als sie es gestern war?

Mittelstaedt hat diese Frage 200 Leuten gestellt, von denen rund 20 % meinten, dass sie besser geworden ist. Rund 70 % stellten fest, die Welt ist schlechter als gestern. Der Autor beantwortete die Frage mit jein.

nein – Zukunftsfähigkeit wegen Ressourcenverbrauch und Zerstörung der Biosphäre
ja – mehr Individualität, mehr Wissen und mehr Selbstbeobachtung

Die Mehrzahl der Anrufer in der Sendung zeichneten ebenfalls ein pessimistisches Bild von der heutigen Zeit. Im Grundtenor hörte ich immer wieder heraus, dass der Mensch den Respekt vor der Natur verloren hat und sich nicht als Teil dieser sieht. Einige Zitate der Anrufer:

  • Triumpfe der Technik zerstören die Umwelt
  • Die Zukunft wird ethisch, oder gar nicht.
  • Wir beseitigen Schäden durch technischen Fortschritt, anstatt Schäden zu vermeiden.
  • Ewiges Wachstum wird in der Medizin als Krebs bezeichnet.
  • Wissenschaft und Technik dürfen nicht alles, was sie auch können.
  • Selbiges gilt auch für Länder und andere Lebensbereich.  (nicht alles was möglich ist, ist auch sinnvoll)

Mittelstaedt hat aber trotz der düstren Wolken am Gesellschaftshimmel nicht resigniert. Er fordert eine zweite Aufklärung, die über die Zerstörung unserer Lebensgrundlage aufklärt. Beispielsweise müsste jedes Produkt informieren, wieviel Zerstörung oder Verbrauch mit seiner Herstellung verbunden ist. Mit der zweiten Aufklärung muss sich auch ständiges quantitatives Wachstum in qualitatives Wachstum wandeln. Mittelstaedt sieht den Menschen als ständigen Veränderer, der Besseres will. Doch muss eben wirklich klar sein, was besser ist. Qualität statt Quantität. Seine Feststellungen kulminieren in der Forderung, dass

Nachhaltigkeit einen kulturellen Fortschritt bedingt.

Mit meinen Worten: Die Menschen müssen begreifen, dass sie Teil der Natur sind und müssen sich als solcher verhalten. Dies erreicht man nur durch Bildung und Wahrnehmung der wahrhaften Probleme. Mittelstaedt macht auch klar, wo der kulturelle Fortschritt beginnen muss. “Bei uns, im Norden” (der Erdhalbkugel). Wir die Umweltverbraucher sind in der Pflicht, nicht die anderen, die unserem Vorbildlebensstandard nacheifern.

Und so verwundert es nicht, dass technischer Fortschritt eben nicht zu gesellschaftlichen Fortschritt allein führt. Die Gesellschaft als solche nutzt immer die Werkzeuge, die als nützlich gelten.

Das Thema der dummen und trägen Masse wurde auch angesprochen. Irgendwie klang durch, dass Minderheiten (Eliten?) schon immer die Geschicke der Menschheit lenkten. Bertrand Russel sagte: Mehrheiten zementieren das Bestehende. Fortschritt ist nur über Minderheiten möglich. Und trotz der Demokratie ist die Masse form- und lenkbar, da die Massenmedien ja auch nur einer kleinen Minderheit gehören. Welche Rolle das Internet da spielt, wäre mal eine eigene Betrachtung wert.

Abschliessend empfehle ich jedem die 55 Minuten mal anzuhören.

@Nachhall-Texter: Hätte solch ein Text Platz auf euerer Seite? Ich hab echt überlegt, diesen Text bei euch zu schreiben, nur hätte ich keinen Bogen zur PR gefunden.