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Auswertung: Faire Textilien in Dresden

Dienstag, den 2. Februar 2010

Ich fasse mal eine Eindrücke zur Frage von vorletzter Woche wegen den fairen Textilien in Dresden zusammen.

  • Es gibt Leser dieses Blogs, die selber am Thema interessiert sind und zur Liste beigetragen haben. Danke Anne, dd-jazz,  randOM, Andreas, Stefan und Franz
  • Bei Google ist der Artikel je nach Suchanfrage sofort auf Platz 1 oder 2 der Suchergebnisse gerauscht. Ohne besondere Optimierung, einfach so.
  • Es gibt die Webseite http://www.sachsen-kauft-fair.de/. Leider ohne neuere Erkenntisse zum Thema Kleidung.
  • Die Besitzer der Läden scheinen nicht im WWW unterwegs zu sein. Entweder haben sie es nicht nötig ihr Thema lokal zu verfolgen oder sie wissen es schlicht nicht. Das Führen eines physischen Ladens kann aber auch völlig auslasten, so dass einfach keine Lebenszeit fürs WWW mehr bleibt.
  • Andere Blogs haben das Thema nicht aufgenommen. Eine E-Mail zum Thema hab ich wohl in der Vergangenheit verschlampt, sorry Elbnymphe! Dafür weiß ich jetzt über faire Mode bescheid. Da ein Teil der Modewelt die Zeichen der Zeit erkannt hat: http://www.ethicalfashionforum.com/. Was solchen Verbandsseiten aber fehlt, ist die Ladensuche vor Ort. Zumindest mir.
  • Je nach Auffassung wurde der entsprechende Artikel rund 100 mal abgerufen. Scheinbar sucht in Dresden kaum jemand faire Klamotten. Stimmt, sagt mein Piwik.
  • Die Geschichte mit den gefälschten Biobaumwollzertifikaten zeigt, dass überall nur Menschen am Werk sind. Vor allem scheinen die Handelstrukturen nicht für faire Preise gemacht worden zu sein. Unter Umständen ist es sogar Sinn und Zweck unseres Welthandelssystems faire Preise zu verhindern. Das wäre dann bewusster Wirtschaftskrieg, gemacht von der WTO zu Gunsten des Westens, zu Lasten der Armen.
  • Es gibt Leute, die trugen das Thema weiter ins Twitterversum. Nice.

Alles in allem ist das Ergebnis ernüchternd für eine Stadt mit 500 000+ Einwohnern. Und ich werde versuchen, mir eine feste Hose am Schillerplatz zu kaufen. Mit luftigen Leinen kann man bei – 10°C ja nicht draussen rumrennen.

Frage der Woche: Wo gibt es in Dresden faire Textilien?

Montag, den 18. Januar 2010

Ich gebe es zu: Klamottenkauf macht mir keine Freude. Nur ganz selten gibt es da ein paar Glücksmomente. Aber Einkaufen als nachhaltig orientierter Mann ist die reinste Katastrophe! Und genau die gilt es zu überwinden, wenn die Hosen so langsam verschleissen.

Und weil ich das Problem sicher nicht alleine habe, möchte ich versuchen diese Woche auf diesem Blog Informationen zum fairen (und ökologischen) Einkauf von Textilien in Dresden zu sammeln. Ich klammere die Ökologie mal ein, weil es wenig sinnvoll erscheint, erst auf die Biobaumwolle zu schielen und dann auf den Lohn der Baumwollbauern. Mir würde es erstmal reichen z.B. eine Jeanshose kaufen zu können, an der garantiert keine Kinder mitgewirkt haben oder für die faire Lohnkosten gezahlt worden. Mit fairen Löhnen sichert man ja schliesslich auch Bildung und damit wieder Umweltbewustsein.

Meine zuletzt fair gekaufte Klamotte stammt übrigens aus Weißrussland, Spanien und Tschechien und wurde im aha-Weltladen am Schillerplatz gekauft. Diese Infos musste ich der Herstellerfirma mühsam aus dem Kreuz leihern. Genug geredet, hier nun meine (Nicht-)Empfehlungen im Listenstil. Kommentare von euch lieben Lesern füge ich dann laufend hinzu, auch wenn ihr denkt, dass ihr jemanden empfehlen müsst der nicht ins Schema passt. Katalogversender werde ich extra einordnen, da ich Fernkäufe weniger mag.

Geschäfte mit fairen Textilien

Erwachsene

Kinder

Sonstige Fairtrade-Läden

Versandhändler fairer Textilien

Geschäfte/Zentren ohne faire Textilien

  • Elbepark

Bitte helft mit, diese Informationslücke gemeinsam zu lösen! Ich gedenke diese Linksammlung dann auch als Extraseite in diesem Blog dauerhaft zu verankern, so dass ein dauerhafter Nutzen entsteht.


Angesurfte Quellen notiere ich auch gleich mal mit:

Aktuelles rund um fairen und biologischen Handel in Dresden

Montag, den 19. Oktober 2009

Wie ihr liebe Leser vielleicht mitbekommen habt, habe ich hier intensiv für das Umundu-Fair-Trade-Festival und den Tag der Regionen geworben. Die Zeit war mir hold gesonnen und ich konnte beiden Ereignissen einen Besuch abstatten. Ich möchte mal ganz grob meine Erfahrungen widergeben und mit anderen Beobachtungen kombinieren.

Lebensmittel

Es tut sich was. Immer mehr Bauern rund um Dresden schwenken auf eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion um. Irgendeins der guten Label pappt dann auf den Leckerheiten. Besonders kleine Betriebe scheinen den Umbruch gut zu schaffen. Ein Hauptakteur im Verkaufsbereich ist die Verbrauchergenossenschaft (VG) Dresden. Deren Läden (Jahnstr. + Schandauer Str.) haben ordentlich Umsatz und ein dritter Laden wird auf der Fritz-Reuter-Str. hinzukommen. Damit rücken dann die 50 000 Nordwestdresdner näher in den Fokus. Danken möchte ich der VG für den Tag der Regionen bzw. dessen Organisation.

Manchmal ist der Erfolg aber auch überwältigend. In der Biosphäre wird es langsam zum Glücksspiel Mahlitzscher Milch zu bekommen. Öfters mal ist dort die Milch alle. Als Ausweg bleibt da oft die Taubenheimer Milch, alles andere wird quer durchs Land gekarrt und heisst trotzdem öko.

In diesem Zusammenhang will ich mal ein Gerücht weiterverbreiten. Dennree, dieser Bio-Discounter, finanziert auch mal gerne Bioläden. Aber wenn man als Ladenbetreiber dann Dennree-Produkte durch regionale Produkte ersetzen will, wird Dennree böse und hört auf den Laden zu finanzieren. Also auch im Biobereich ist das Geschäft knallhart und hat nichts mit der sozialen Komponente von Nachhaltigkeit zu tun.

Interressant wird die Sache, wenn Lebensmittel mit anderen Dingen zusammengehören, wie der Schafskäse und die Wolldecken vom Milchschafhof Bärenstein. Wo bitte gibt es eine Naturwolldecke für 75 € sonst zu kaufen?

Auf den üblichen Märkten findet man hier und da die gute Ware.

Textilien

So langsam geht mir manche tragbare Klamotte aus. Von Textilien aus Kinderarbeit und so weiter hab ich Schnauze definitiv gestrichen voll. Gekauft wird nur noch dort, wo der Verkäufer bescheid weiß. Im Zweifel wird nicht gekauft. Und so habe ich gelernt, dass es mindestens 2 Ort in Dresden gibt, wo man faire Klamotten bekommt. Im aha-Weltladen an der Ringstraße und am Schillerplatz. Letzter hat von mir auch Umsatz erhalten. Ein Leinenhemd hatte es mir angetan. Ich muss nur noch verifizieren, ob das Hemd wirklich okay ist.

Einen fairen Einkaufsführer für Dresdner vermissen irgendwie alle Dresdner “Ökos”. Bei einem globalisierungskritischen Stadtrundgang in Dresden habe ich so einiges über Schuhe gelernt.

schuh

Nun ist mir auch klar, wie diese ganzen Innenstadtläden sich finanzieren. Der Lohn vom 100-€-Schuh beträgt gerade mal 0,4 % (40 Eurocent) und wäre mit 76 Eurocent fair. Das muss man sich mal überlegen, wir reichen Europäer sind einfach mal naiv und arrogant zu gleich und lassen via Kapitalismus auf der anderen Erdseite ausbeuten. So viel schämen kann man sich gar nicht. Der Stadtrundgang wird von Ehrenamtlichen getragen und braucht Unterstützung. Für Schulklassen ist er aber sicher interessant. Für Veränderer bringt er leider kaum Handlungshilfen.

An Online-Shops komme ich leider nicht wirklich ram. Ich will das Zeug “betatschen” bevor ich’s anziehe.

Wo kauft ihr liebe Dresdner eure fairen Klamotten?

Sonstiges

Unsere Regionalwährung der Elbtaler kommt voran. Im Moment müssen 5000 € gesammelt werden, damit die Scheine gedruckt werden können. Und es braucht Unterstützer. Da ich nicht vorhabe, weg zu ziehen, muss ich da wohl mal etwas Zeit reinstecken.

Naturbaustoffe gibt es übrigens auch. Sogar ein Haus mit Mondphasenholz. Ein Gespräch mit dem Herrn Rietz war höchst angenehm. Falls ihr jetzt fragt, wozu man Mondphasenholz braucht, nun wie wäre es damit?

holzhaus

Wenn ihr erratet wo es diese Häuser gibt, kennt ihr euch mächtig gut aus! Mondphasenholz verzieht sich laut Hörensagen kaum.

Wer von euch Lehmbaustoffe braucht, sollte mal bei lehmix.de vorbeisurfen. Deren Webseite war auf einem Schild im Wesenitztal verzeichnet. Tolle Sache, was ich dort gesehen habe. Nur muss man für solch einen Lebensstil was ordentliches gelernt haben und nicht nur mit Ideen Bits und Bytes durch die Kante schieben.

Fazit

Es tut sich was im Sachsenlande. Öko und Fair boomen, wobei es die kleinen Leute sind, die die Sache stemmen. Persöhnlich würde ich mir aktive Vernetzung (auch der Webseiten) untereinander der Nachhaltigkeitsförderer wünschen, aber wir alle haben viel um die Ohren in diesen stürmischen Zeiten.

Achja, für Anmerkungen und Fragen freue ich mich wie immer sehr.

Die URLs sammle ich bei Gelegenheit mal auf einer statischen Seite hier im Blog. Ich bin ja mal gespannt, was Google mit diesem Artikel so macht.

Nachtrag: In den Holzmedien findet man solche Infos gar nicht. Andere Lokalblogger beschäftigen sich zum Teil mit anderen wichtigen (190 Kommentare!!!) und unwichtigen (link fixed) Dingen.

Quelle: http://marcelschweder.wordpress.com/

Ist Verzicht das Gebot der Stunde?

Dienstag, den 7. April 2009

Meine Leser haben den ein oder anderen Unterton in den letzten Wochen sicher schon wahrgenommen. Heute stelle ich die Frage direkt, unter anderem weil ich zwei Verweise in die klassischen Medien habe.

In beiden Artikeln wird mehr oder weniger deutlich, dass Verzicht von überflüssigen oder fragwürdigen Produkten durchaus angebracht wird. Die taz schreibt sogar:

Jetzt ist nicht nur das Vertrauen in die Banken geschwunden, sondern auch das Vertrauen in den Markt als Maschine, der man beruhigt die Moralproduktion überlassen kann. Es ist also an der Zeit, diese wieder selbst zu übernehmen, sie zu internalisieren, sie in den Einzelnen zu verlegen.

Dieses Zitat ist durchaus bemerkenswert. Wenden wir es mal auf die Textilbranche an. Seit dem ich über die schlechten Bedingungen in der Textilbranche (miese Bezahlung von Baumwolle, Bollgard und Kinderarbeit) weiß, gehe ich noch weniger gern Klamotten kaufen. Denkbar wäre sogar, dass ein Skandal, der nur  einen einzelnen großen Verkäufer/Händler/Hersteller betrifft, die ganze Branche in Misskredit bringt. Als aufmerksamer und bisher vertrauensseliger Mensch stehe ich nun wieder im Laden und frage:

  • Wurde die Baumwolle fair bezahlt?
  • Haben Kinder mitgearbeitet?
  • Kann ich diese Textilie mit ruhigen Gewissen kaufen?

In der Regel sind die FachverkäuferInnen damit dann völlig überfordert. “Früher” hat niemand solch globalen Fragen nach Moral und Ethik gestellt (Vertrauen in den Markt). Und heute schaffen es die wenigsten Firmen sich dieser Herausforderung zu stellen.

Betrachten wir die Sache mal längerfristig. Tausch, Handel und Märkte waren schon immer eine Vertrauenssache und erleichterten das Überleben. Irgendwann war so viel Überfluss vorhanden, dass das Angebot größer als notwendig war. Und dann werden wohl die ersten Unternehmer ausgeschert sein (oder eher?) und haben das Angebot mit “bösen” Produkten bereichert, um sich selbst mit größeren Marktanteilen zu bereichern. Diese Prozesse werden sich wahrscheinlich immer wieder abgespielt haben und finden heute ihren Höhepunkt. Keiner mag sich mehr auf den anderen verlassen, Geld(-ersparnisse) werden wichtiger als alles andere. Geschäftsmoral ist eigentlich fast keine mehr vorhanden.

Wie reagiert man in diesen Situationen?

Setzt man voraus, dass das Geld-ausgeben eine Wirkung hat, dann gibt man sein Geld eben dort aus, wo man keinen Schaden anrichtet. Das wäre dann eine Konsummelange die folgende Attribute hat:

  • vorwiegend lokal
  • “bio”
  • fair
  • verzichtsorientiert

Versteht mich nicht falsch, es soll keiner nakt herumlaufen oder hungern. Sondern es geht eben darum funktional langlebige Produkte zu kaufen, damit die Naturressourcen für sich selbst da sein können und nicht nur für den Menschen. Aufs Essen bezogen hieße das: viel weniger Fleisch futtern, viel mehr vegetarisch essen. Im Bezug auf den Schweizer Schoggihasen hiese das: Finger weg, Möhre knabbern. Das sorgt im Endeffekt dafür, dass im Kakaoursprungsland weniger Kakao gekauft wird und es den Leuten dort wahrscheinlich noch schlechter geht. Möchte man diesen Effekt begrenzen, so verzichtet man eben nicht ganz auf die Schokolade, sondern kauft eben fair-trade.

Alternativ kann man versuchen, sich von Liebe und Luft zu ernähren.

Schlägt dies fehl, kann man es auch den indischen Askesemeistern gleichtun, die sich von einem Minimum ernähren und den ganzen Tag im Schneidersitz vor sich hinmeditieren. (Vorsicht: Klischee!)

Welchen Nutzen hat mein verändertes Verhalten?

Zusammenfassend würde ich es so formulieren: Gibt man weniger Geld für viel schlechte Qualität aus, bleibt mehr Geld für weniger gute Qualität übrig. Damit wird auch das Spannungsfeld deutlich, in denen sich Konsum-Plattformen wie Utopia.de oder bringmirbio.de bewegen. Vielleicht reicht es auch aus, weniger zu arbeiten, damit:

  • man wieder selber mehr wesentliche(?) Dinge erledigen kann,
  • anderen Raum zum Arbeiten gibt,
  • zu sich selbst und damit
  • zu einer gesunden Gesamtheit finden kann.

Abschliessend kann ich euch noch eine kleine Andeutung zum Thema “Geschäftsmoral” bieten. Ich schreibe ja nicht alle Dinge meines Privatlebens hier sofort ins Blog. Aber letztens gab es warf ein sehr freudiges Ereignis seinen Schatten voraus, was durch sehr seltsame Ansichten von Dritten gegenüber Geld zunichte gemacht wird. Reto dürft jetzt vielleicht schon wissen was ich meine. Wenn dieses kleine Kapitel abgeschlosssen ist, dann habe ich eine richtig schöne Geschichte.