Soylent Green Rohstoff gefunden: Hartz IV’ler

Gestern hat mich jemand auf einen erschütternden Artikel aufmerksam gemacht:

Das unwerte Hartz IV-Leben

Soziologieprofessor Gunnar Heinsohn will die Unterschicht finanziell austrocknen, weil die zu viele gesellschaftlich wertlose Kinder in die Welt setzt

Die Kinder von Hartz IV-Empfängern sind minderwertig, sie sind dümmer und fauler als die Kinder von anderen deutschen Müttern und ihre Ausbildungsfähigkeit steht in Frage. Sie werden in Zukunft den hohen Qualifikationsanforderungen der Gesellschaft nicht mehr genügen. Diese Kinder entstammen einer Unterschicht, die sich durch Sozialhilfe immer mehr vergrößert und hemmungslos vermehrt und den Leistungsträgern auf der Tasche liegt. Das ist eine Gefahr für Deutschland. Während sich die Unterschicht so vermehrt, bekommen die deutschen Frauen der Leistungsträger zu wenig Kinder. Der Staat muss also das weitere Kinderkriegen der Unterschicht verhindern, indem man deren Angehörigen die Lebensgrundlage entzieht. Deutschland braucht diese minderwertigen Kinder nicht, sondern es braucht die sozial wertvollen Kinder der Karrierefrauen.

Irgendwie war ich der Meinung, dass wir Menschen die gleiche Rechte haben. Das unsere Chancen ungleich verteilt sein können ist klar. Ob die Chancen mit Vorsatz ungleich verteilt werden, kann sich jeder selber fragen. Aber wenn ein Soziologieprofessor daherkommt und sagt: Hartz-IV’ler kosten den Rest der Gesellschaft zu viel und deshalb müssen sie aussterben, dann sind wir gleich wieder bei der Volkshygiene oder Eugenik angelangt.

Im Film Soylent Green hat man (tote) Menschen zu Lebensmitteln verarbeitet. Vielleicht sollte man den oben genannten Professor mal fragen, ob man Hartz-IV’ler nicht absichtlich verunfallen lassen sollte, damit man Biomasserohstoff für irgendwelche Vorgänge hat? Wie wäre es mit einer Zufallsfalltüre in den Arbeitsagenturen?

Irgendwie habe ich das Gefühl manchen Menschen fehlt der Kontakt zur Realität. Besondern dem Professor Heinsohn. Der sollte sich mal lieber Gedanken machen, wie man „unwerten“ Kindern die richtige Ausbildung zukommen lassen kann, damit sie nicht in der Sozialspirale gefangen bleiben. Falls sich nebenbei herausstellen sollte, dass dies eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, dann ist das doch ein ehrenwertes Ziel. Besser dafür Steuern zahlen, als für Dienstwagensubventionierung. Sollte unsere Industriegesellschaft strukturell nicht mehr genug Vollzeitarbeitsplätze haben, könnte man doch über die Halbtagsgesellschaft nachdenken. Und wenn wir wieder mehr „einfache“ Arbeitsplätze brauchen, dann können wir die wieder auch China zurückholen. Hier gelten wenigstens bessere Arbeitsstandards, die man auch kontrollieren kann, sofern man will.

Ich brauch jetzt erstmal frische Luft….

Nachtrag

Ich zitiere hier mal einen Satz aus dem Gastkommentar, auf den sich oben verlinkter Artikel bezieht:

Deshalb steht zu befürchten, dass in einigen Jahrzehnten weit mehr als ein Viertel der Menschen in eine Hightech-Gesellschaft mit ihren hohen Qualifikationsanforderungen nicht passt.

Heinsohns Aussage ist: Der Mensch passt nicht zur Hightech-Gesellschaft. Er übersieht die andere Möglichkeit: Vielleicht passt die Hightech-Gesellschaft auch nicht zum Menschen? Vielleicht ist ewiger technischer Fortschritt nicht die Lösung? Zufälliger Weise habe ich da gleich einen weiteren Link parat: ecofreak über den Fortschrittler Ellen Key.

Ellen Key (1849 – 1926) – 1900 legte Key ihr Buch „Das Jahrhundert des Kindes“ vor, in dem sie das Recht von Kindern auf gesunde und glückliche Eltern postulierte. Eine Forderung, die die Pazifistin und Feministin auf den Abweg eugenischer Politik führte: Nur physisch und psychisch gesunden Eltern sollte es gestattet sein, sich fortzupflanzen.

Key schrieb:

Wer hingegen weiss, dass der Mensch unter unablässigen Umgestaltungen das geworden, was er nun ist, sieht auch die Möglichkeit ein, seine zukünftige Entwickelung in solcher Weise zu beeinflussen, dass sie einen höheren Typus Mensch hervorbringt. Man findet schon den menschlichen Willen entscheidend bei der Züchtung neuer und höherer Arten in der Tier- und Pflanzenwelt. In Bezug auf unser eigenes Geschlecht, auf die Erhöhung des Menschentypus, die Veredelung der menschlichen Rassen herrscht hingegen noch der Zufall in schöner oder hässlicher Gestalt.

Zurück zu Heinsohn:

Der Königsweg wäre qualifizierte Einwanderung. Denn „skilled immigrants“ böten die optimale Problemlösung. Seit 1987 hat man über 12 Millionen Fremde geholt. Aufgeklärte Iraner sind darunter, die vor Teherans Fanatikern flüchten; russische Juden, die dem Antisemitismus entkommen wollen, und Vietnamesen, die schon die DDR holte. Ihre Kinder schaffen bessere Abiturnoten als der Nachwuchs des deutschen Bildungsbürgertums.

Der Nachteil von qualifizierter Einwanderung ist, dass wir den „Ausbildungsländern“ ihr Bildungsbürgertum einkassieren. Von politsichen Flüchtlingen will ich jetzt mal nicht reden…Wir können unsere eigene Kapitalismusgeilheit und die dadurch hervorgerufene Geburtenschwäche nicht durch fremde Hilfe lösen! Das müssen wir schon selber machen. Zum Beispiel den jungen Menschen das Gefühl geben, dass sie auch mit Kind sich ausbilden können. Perverse Bologna-Reformen sind da zum Beispiel genau das Gegenteil, damit macht man Studiengänge erst recht „kinderunfreundlich“.

Und wenn Heinsohn schreibt, dass die ganzen Migrantenkinder in Deutschland so ungebildet bleiben, dann schreibt er nichts über die Ursachen über die abwärtszeigende Sozialspirale. Er schreibt zwar, dass sie „dumm“ ankommen und immer „dümmer“ werden, aber nicht warum das so ist. Und das sollte ein Soziologe doch schreiben. Eine Mutmaßung von mir: Wir integrieren unsere Migranten viel zu schlecht. Wir leben zu wenig mit ihnen und sie zu wenig mit uns. Anstatt eine gelungene Integration zu leben, sehen wir Abschottung der verschienen Bevölkungsteile untereinander. Und selbst wir Deutschen integrieren uns schon selber viel zu wenig. Wer kennt denn all seine Nachbarn? Bei mir im Hausaufgang haben nur 3 von 10 Nachbarn überhaupt Namensschilder an der Türklingel. Wenn wir uns mehr Zeit fürs Zusammenleben und für Zufallsbegegnungen nehmen würden, sähe die Welt anders aus. Aber dazu wird es nicht kommen, schliesslich müssen wir das Hamsterrad am Drehen halten, damit wir unseren Staatsanleihebesizern die Zinsen zahlen können. Kann man nicht einfach allen Fremdländischen Anleihebesitzern nicht einfach den Mittelfinger zeigen und auch dieses Exportweltmeisterspiel zu den Akten legen? Stattdessen lieber auf stabile Binnenentwicklung setzen, die regional und nachhaltig ist.

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2 Antworten zu Soylent Green Rohstoff gefunden: Hartz IV’ler

  1. Maschinist sagt:

    Dann besser Banker kastrieren – Die haben uns mehr gekostet als alle Hartz-IVler zusammen.
    Überflüssige Professoren wären auch einen Gedanken wert…

  2. torsten sagt:

    Mm…interessant, Heinsohn ist Soziologe und Ökonom. Aus ökonomischer Sicht kann man seinen Forderungen gut zustimmen, aus soziologischer Sicht sind seine Forderungen und deren Prämissen Teil einer menschenverachtenden Ideologie.

    Mir ist Heinsohn bisher als Provokateur und oberflächlicher Wissenschaftler (eine großartige Kombination) bekannt gewesen, sein hier vorgestellter Beitrag reiht sich da gut ein.

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