Dinge, die nicht zusammen passen

Lebensmittelverschwendung war in diesem Blog schon 2008 Thema. Heute beim Mittag in der Kantine hat der nette Kollege recht bewegt über einen Beitrag (Video) des gestrigen TV-Abends berichtet. Darin wurde ein neuer Kinofilm über die Lebensmittelverschwendung vorgestellt: Taste the Waste.

Und heute abend sendete die Tagesschau wieder Bilder von hungernden Kindern.

Ich für meinen Teil tue aktiv etwas gegen die Verschwendung: Ich kaufe relativ häufig auch mal eine Möhre oder eine Fenchelknolle, die nicht mehr superfrisch ist und deshalb reduziert in der Angebotskiste liegt. Zum Risotto geht das Gemüse hervorragend.

Heute auf dem Radweg nach Hause habe ich ein wenig darüber nachgedacht, warum wir uns diese Verschwendung überhaupt leisten. Hier ein paar Gedanken:

  • Unwissen über Verschwendung und deshalb keine Reflektion
  • billige Lebensmittel

    via: http://www.situations-bericht.de/index.asp?seite=1&kapitel=3

     

  • geringe Wertschätzung von Lebensmitteln, da sie ständig ohne Mühe gekauft werden können, unabhängig von Jahreszeiten oder ähnlichem
  • niedrige Verankerung der Nahrungsmittelproduktion in der Bevölkerung (d.h. es arbeiten wenig Leute, im Verhältnis zu früher, mit Lebensmitteln)
  • Lebensmittel sind Handelsware und Handel ist Geschäft. Da zählt nur Rendite.
  • Werbung
  • kaum ausgeprägte Esskultur (viel vorgefertigtes Zeugs)

Zu diesen Punkten passt auch ein Erlebnis, welches mir letztens im Schillergarten wiederfahren ist. Wir sind dort auswärts im Biergarten Mittag essen gewesen und das Essen war grauenhaft. Alles drehte sich rund ums Fleisch, die vegetarischen Kartoffelecken mit Quark waren nicht gerade knackig frisch. Einzig das Eis als Nachtisch war eine gewisse Entschädigung für das schlechte Angebot dort im Selbstbedienungsbereich. Ich hatte gar nicht erst die Wahl qualitativ zu essen.

Aber warum ist das nun alles so? Nun man bekommt, was man verlangt oder bezahlt. Und dann reden wir vielleicht zu wenig über die Lebensmittel. Sie sind ja etwas beiläufiges. Zum anderen informiert der Handel auch nicht von selbst über die Zustände am Ort der Lebensmittelproduktion. Zum Beispiel sind Biograpefruit aus Israel zwar bio, aber ansonsten ökologischer Unsinn da die Isralies den Jordan leerpumpen. Das bringt uns zum billigen Transport, billiges Öl karrt das Zeugs eben überall hin. Kontrollverlust durch das Sterben von kleinen Händlern und ihren Zulieferern sind sicher auch ein Thema.

Naja, hoffen wir auf intelligentere Zeiten.

Noch etwas: Hätten wir ein funktionierende Weltordnung, würden die Somalier sich nicht mit den westlichen Waffen übern Haufen schiessen, westliche Fischer dort die Gewässer nicht leergefischt haben und die Leute genug Ausbildung für das Meistern von Krisen haben. Ob die dortige Dürre durch unsere CO²-Emissionen begünstigt sind oder nicht, ist letztlich egal, da die Leute dort schon immer Nomaden waren, bis irgendjemand dort sowas wie Staatsgrenzen errichtet hat. Das Hinschaffen von Lebenmitteln als Notration löst dort auch keine langfristigen Probleme. Und das mit dem Militär dort ging schon mal gehörig schief. Das scheint eine ganz schön verfahrene Situation zu sein.

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6 Kommentare zu Dinge, die nicht zusammen passen

  1. Fidel sagt:

    Es gibt aktuell eine Petition zum Thema: Petition: Verbraucherschutz – Mindesthaltbarkeitsdatum vom 25.08.2011 https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=19574

    Eine von vielen Möglichkeiten auf das Thema aufmerksam zu machen!?

  2. Muyserin sagt:

    Schön, dass Du wieder bloggst! Mitlesen und mitdenken machen Spaß!

    • Stephan sagt:

      Ich versuche die Artikel-Frequenz wieder aufs erträgliche Maß zu erhöhen, aber das fällt mir irgendwie gerade schwer. Es gäbe viel zu berichten, nur will ich das nicht ins Blog kippen.

  3. jensi sagt:

    schön zu lesen ……..

    Danke dir……

    grussi…..

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