Wieviel Ressourcen verbraucht mein Blog?

Die große Frage die mich schon länger bewegt ist diese: Wieviel Ressourcen verbraucht mein Blog?

Nun ist es ja so, dass ich mich mit dem Thema Nachhaltigkeit intensiver auseinandersetze und auch versuche nachhaltiger zu leben. In erster Linie verwandele ich Lebensmittel, Luft(Sauerstoff) und Wasser, um meine Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Hinzu kommen eben die ganzen angenehmen Dinge des Lebens, die ich auch verbrauche. Genau genommen verbrauche ich nichts, sondern wandele durch mein Verhalten Stoffe (sind auch Energien, E=m*c²) und Energie um. Der erste Hauptsatz der Thermodynamik besagt ja, dass Energie weder erzeugt noch vernichtet, sondern nur umgewandelt werden kann.

Nun möchte ich aber den Energieverbrauch meines Blogs in Erfahrung bringen. Am einfachsten wäre es natürlich, wenn mein Webseitenbereitsteller (web space provider) mir dies mitteilen würde. Freiwillig macht er das aber nicht. Also habe ich nachgefragt. Ich zitiere aus der Antwort:

Die von Ihnen betrachteten Themen sind zweifellos sehr interessant. Leider kann ich Ihnen zu den Detailfragen keine eindeutigen Antworten geben. Einerseits sind diese als Grundlage unserer Kalkulation natürlich intern, andererseits existieren nicht über alle Details Erhebungen und damit aussagekräftige Daten.

Ein Rechenzentrum ist ökologisch gesehen natürlich alles andere als eine grüne Sache: Stromverbrauch für Hardware, Wärmeerzeugung durch Hardware, Stromverbrauch für Klimaanlage zur Kühlung, Bereitstellung von Notstromressourcen … um nur einige Faktoren zu nennen. Beim Verhältnis des (technisch-ökologischen) Aufwandes zum (möglicherweise menschlichen) Nutzen ist es sehr schwierig Werte zu ermitteln. Weitere Aussagen sind an dieser Stelle leider nicht möglich.

Anfänglich war ich über diese Antwort enttäuscht, hat sie doch mein Wissensdurst überhaupt nicht befriedigt. Jedoch lag die E-Mail nun gut zwei Monate in meinem Kopf herum und die Enttäuschung über meinen Dienstanbieter hat sich eine Enttäuschung über die Gesellschaft gewandelt. Warum das so ist, erkläre ich gerne.

Wir, die aufgeklärte, moderne und umweltbewusste Informationsgesellschaft von heute, fordern keine transparente und nachvollziehbaren Informationen über Ressourcenkreisläufe ein.

Was meine ich damit? Wenn ich in den Wald gehe und von einer Kiefer einen (Ast-)Quirl abbreche und zu Hause zum quirlen verwende, dann weiß ich ganz genau, woher mein Werkzeug stammt. Er stammt vom Baum und es dauerte 20 Jahre, bis das Werkzeug so fertig war. Ich selber brauchte nur einen Spaziergang machen und den Ast abzubrechen, um ein neues Werkzeug zu verwenden. Damit weiß ich zwar nicht, wieviel Nährstoffe, Wasser, Kohlendioxid und Sonnenwärme der Baum zum wachsen verbraucht hat, aber ich weiß zumindest etwas. Ein Biologe kann die Zahlen ausrechnen.

Bei Autos wird zwar der Verbrauch angegeben, aber nicht die verbrauchten Mengen Energie und Stoff, die zur Herstellung benötigt wurden. Wie kann ich also entscheiden, welches Auto ökologischer ist? Wenn der Mehraufwand für ein Hybridauto sich vielleicht erst nach 1 Mio. gefahrenen Kilometern rentiert, dann sollte das eben auch klar und deutlich vermerkt sein. SteffenH hat mal darüber geschrieben.

Wenn wir nämlich volle Information einfordern würden, dann könnte ich auf der Herstellerwebseite bzw. Anbieterwebseite nachschlagen, welchen Einfluß jedes Produkt und jede Dienstleistung in den natürlichen Kreislauf haben. Man könnte den ökologischen Fußabdruck eben genau bestimmen und über dessen Ausmaß eine ökologische Kaufentscheidung treffen. Das kann ich aber nicht, weil wir alle das nicht einfordern. Oder hat schon mal jemand einen Aufkleber an seinem IPod gesehen, wieviel Material da verbaut wurde?

Ihr seht schon, ich schweife ab. Aber das ist nötig, um meine Motivation zu hintermauern. Ich will mir meines Handelns bewusst sein und kapituliere täglich mehrmals vor meiner Unwissenheit. Wieviel Energie verbraucht nun also mein Blog?

Meine Recherchen im Netz zu dem Thema waren auf die Schnelle nicht sehr erfolgreich, aber immerhin habe ich etwas dazu gefunden:

31 Euro für einen so kleines Angebot? Das ist eine ganze Ecke mehr, als das was ich zur Zeit zahle. Ich zahle irgendwie um die 4 €/Monat für 1 Domain, 100 MB Speicherplatz und 15 Gig Traffic und fahre sehr gut damit. Nur leider eben nicht nachhaltig. 🙁

Dann wollen wir mal schauen, was unsere Vorzeigehoster in Deutschland so zu bieten haben.

  • Strato hat 7 goldene Regeln, Nachhaltigkeit ist dort kein Thema.
  • united internet (1&1, gmx, web.de) versagt auch. Die Suche dort liefert null Treffer zum Thema Nachhaltigkeit. Dafür haben sie was fürs gute Gewissen und helfen der Unicef! Ablasshandel modern!
  • 1blue hat die Farbe Blau im Design, aber auch nichts für unseren blauen Planeten übrig.

Kurzes Zwischenfazit: Geile Preise und schnelles Internet haben sie alle. Nachhaltig wirtschaften können oder wollen die alle nicht. Ob das alle totale Öko-Muffel sind? Scheint so, zumindest schmückt sich keiner damit, an die Natur zu denken. Dabei fällt mir der 1&1-Chef ein. Der hat doch ne dicke Yacht und geniesst Segelwettfahrten auf den blauen Ozeanen. Vielleicht denkt er ab und an den Energieverbrauch seines Unternehmens.

Jetzt könnte ich natürlich eine Milchmädchenrechnung machen (1 Server, 150 Watt, 500 Kunden, 50 Watt Klima = 4 Wh / Kunde), aber das führt wohl nicht weiter. Dazu kommen ja noch Backup, Router, Glasfasernetz, DE-CIX, DSLAM usw.

Nun bin ich am Ende des Artikels angelangt, aber noch nicht schlauer. Vielleicht sollte ich mir ja einen Mini-PC in den Keller stellen, mein Blog darauf tun, den Mini-PC an eine Autobatterie klemmen und Solarzellen aufs Dach werfen? Dann wüsste ich jedenfalls, dass mein Blog kein Strom im Betrieb verbraucht. Aber die Ausfallwahrscheinlichkeit wäre deutlich höher. Eines weiß ich aber ganz genau: Ich bleib an dem Thema „grüne Kommunikation“ dran und Ihr werdet demnächst wieder etwas dazu lesen können.

PS: Für Tips, Anregungen, URLs und Kritik wäre ich sehr dankbar!

Anmerkung: Die IBM macht sich Gedanken zu dem Thema. Deutschland ist EU-Ratspräsident und will mehr Energieeffizienz. Vielleicht sollten wir alle Klowände im Netz abreißen und nur die Blogs übrig lassen, die wirklich wichtig sind?

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16 Kommentare zu Wieviel Ressourcen verbraucht mein Blog?

  1. Dirk sagt:

    du hast ja viele punkte angesprochen. ich möchte nur mal noch einen punkt erwähnen: durch das netz allgemein werden natürlich auch enorm resourcen gespart – einfach weil z.b. der versand einer email ökologischer ist als ein mit auto oder flugzeug transportierter brief. das müsste dann schon mit eingerechnet werden.

  2. Gratulation. Diese Anfragen habe ich schon vor 5 Jahren getan, bei canaletto in Dresden, bei 1&1 und strato gestartet.

    Und in diesen 5 Jahren hat sich NICHTS bei diesen genannten Unternehmen geändert. Fortschritt in Deutschland; ganz großer Applaus an diese Unternehmen.

    Danach haben wir ecologee.net aufgesetzt, weil wir keine Zeit verlieren können. Wir würden uns sehr über Artikel oder Verbesserungsvorschläge dazu von Euch freuen. Ihr seid willkommen.

    Stephan Schildberg
    ecologee.net

  3. René sagt:

    HostEurope kündigt schon groß ihr grünes Rechenzentrum an.

  4. Stephan . sagt:

    @Rene: Die Pressemitteilung von HostEurope liest sich wie kalter Kaffee. Tolle Worte, keine Aussage.

    @Stephan Schildberg: Ich war ehrlich gesagt froh, eure Seite gefunden zu haben. Weiter so! Ich guck mir eure Sache mal genauer an. Irgendwann.

    @Dirk: Logisch kann man durch Internet viel sparen. Zum Beispiel viele unnütze Managerreisen könnte man durch Videokonferenzen ersetzen. Nur wenn es wirklich wichtig, wird gereist. Von der Effizienzsteigerung durch das Netz mal ganz abgesehen. Ich wollte den Energieverbrauch des ganzen Netzes nicht thematisieren, sondern nur meinen Anteil daran. Das gelang mir ja nicht. Dafür ist das Netz viel zu toll, um es allein wegen seines Energieverbrauchs zu schelten.

  5. Pingback: naturbelastet » Blogarchiv » Ressourcenverbrauch eines Blogs

  6. Béla sagt:

    Hallo!

    Ich habe mir auch überlegt, wo ich meine Website hosten lassen könnte.
    Ich bin dann über http://www.atomstromfreies-internet.de zu dem Provider „Trilos“ gekommen, der seine Server mit Öko-Strom von Greenpeace Energy laufen lässt. Mich hat bei diesem noch positiv überrascht, dass er sich auch gegen Softwarepatente und Vorratsdatenspeicherung ausspricht.

    Gruß Béla

  7. Pingback: Umgebungsgedanken » Blog Archiv » Stromverbrauch im Rechenzentrum

  8. Pingback: Umgebungsgedanken » Blog Archiv » Verbrauch von elektrischer Energie in der IT

  9. Nun ja, ein Webserver läuft zwar das ganze Jahr und verbraucht dabei auch eine ganze Menge Strom. Aber bevor ich mir Gedanken mache, was eine darauf liegende Webseite verbraucht, überlege ich mir eher, wie ich selber Strom sparen kann. Ich glaube, das macht mehr Sinn.

  10. Hallo René!
    Du hattest vor einiger Weile das grüne Rechenzentrum angesprochen. Der Artikel ist allerdings vom Januar dieses Jahres. Weißt du – oder wer anders – was aus diesem Projekt geworden ist? Ich würde mich über eine Antwort freuen!

  11. Christian sagt:

    Ich denke auch, dass man erstmal schauen sollte, wo man in seiner direkten Umgebung Strom sparen kann. Und dann sollten man sich darüber Gedanken machen. Und evtl. mal seinen alten Röhrenmonitor durch einen Flachbildschirm austauschen.

  12. Pingback: stromverbrauch-reduzieren » Blog Archive » standby - Stromverbrauch in der EU steigt mit dem …

  13. Berti44 sagt:

    Eine wirklich interessante Auflistung, die du zusammengestellt hast. Strom sparen ist ein aktuelles Thema und wird es wohl immer bleiben. Hab mich auch nach Tipps zum Stromsparen umgeschaut und seit dem ich diese so gut es geht umsetze ist der Stromverbrauch tatsächlich runtergegangen.

    Gruß Berti

  14. Stefan sagt:

    Hallo Stephan,

    ich seh das ähnlich wie Dirk. Viele Ressourcen (z.b. Papier ) werden durch diesen Blog gespart. Ggf. könnte man auch Anfahrtswege zu Stammtischen oder anderen Foren mit rein rechnen, die eine derartig unkomplizierte Kommunikation erlauben.
    Grüße!
    Stefan

  15. Pingback: green power | Umgebungsgedanken

  16. danza sagt:

    Hallo,

    ein sehr gelunger Artikel, gerade wir ITler denke meist erst im zweiten Schritt über Umwelt nach.

    Umso besser finde ich es, das der Hoster all-inkl nun auch auf Umwelt setzt, in dem Rechenzentren gebaut werden, welche von der Klimatisierung optimierter sind und dort Strom einsparen. An den Stromverbrauch eines einzelnen Server kann man wohl wenig machen, der ist einfach da, die Frage ist nur mit welchen Strom man ein Rechenzentrum betreibt.

    Darum finde ich es gut das all-inkl nun auch auf Öko Strom setzt!

    PS: Meine Webseiten liegen auch auf diesen Hoster 😉

    Gruß
    danza

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