Wie engstirnig die Sächsische Zeitung und Dresden agieren

Ich könnte platzen! Da ist der Welterbetitel weg und da wird sofort an einer Neubewerbung herumgedoktort. Nein..da ist keine Zeit um die ganze Situation mal etwas sacken zu lassen und tief darüber zu reflektieren, was eigentlich geschehen ist. Nein nein, Hektik muss her.

Das die Brücke gebaut wird, ist ja klar. Das sieht man täglich.

Wie das nun aber mit der Neubewerbung Dresdens gehen soll, dass wissen scheinbar nur die Medien und die Stadtstrippenzieher. Das Volk bleibt aussen vor. Beispiel gefällig?

SZ

sz-umfrage-we

Schaut euch die Grafik genau an, was fällt auf?

  1. Man muss für eine der 3 Lösungen sein, dagegen sein gilt/geht nicht.
    Woher kennen wir diesen modus operandi? Von dem Bürgerbegehren pro Brücke – friss oder stirb!
  2. Warum nicht das alte Gebiet ohne Brücke nach deren Abriss erneut anmelden? Das kann ja ruhig in 100 Jahren sein. Wir Dresdner passen derweil auf, dass kein Mist passiert.
  3. Woher kommen die Ideen für die Umfrage wirklich? Welche Hinterzimmergedanken kreisen da im Politik-Medien-Verbund?

Stadt

Und die OB sagt selbst folgendes:

Ein neuer Antrag ist aber nur vertretbar, wenn er von einer großen Mehrheit der Bürgerschaft mitgetragen wird,

Habe ich den Zug nicht abfahren sehen? Habe ich nen Schuss überhört? Wo wird denn bitte die Bürgerschaft seitens der Stadt eingebunden? Dieses Medientara ist doch keine Beteiligungskultur. Da müssen offene Bürgerwerkstätten oder so was ähnliches her, alles andere ist eine Farce vorm Bürger, besser noch ein Tritt in dessen Gesäß.

Fazit

Unsere von allen so bemängelte Streitkultur ist nach wie vor im Eimer. Da werden wir schon von aller Welt darauf hingewiesen, dass wir besser miteinander umgehen sollten und machen es nicht. Ich könnte echt wegrennen. Und die Medien kloppen fleissig mit dem Knüppel auf dem Sack herum. Die wissen scheinbar gar nicht, welche Verantwortung sie haben. Oder sie wissen es doch und spielen ein ganz übles Spiel.

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6 Kommentare zu Wie engstirnig die Sächsische Zeitung und Dresden agieren

  1. Torsten sagt:

    Ich musste auch 2x hinhören als die Helma ganz stolz von der (scheinbar ihrer) Idee berichtete, sich einfach nochmal bewerben zu wollen. Ich konnte es einfach nicht fassen. Wie kann man ernsthaft in Erwägung ziehen, dass man auf der einen Seite die Pflichten, die mit diesem Titel zusammenhängen so dermaßen mit Füßen treten und auf der anderen Seite sich einfach nochmal bewerben kann. Merken die denn nicht, dass so etwas auch ein wenig mit Glaubwürdigkeit zu tun hat? Solange uns der Titel was bringt, schöpfen wir aus den vollen und wenn er uns weggenommen wird, beantragen wir einfach einen neuen. Nu gloar – so einfach kann das hier in Dresden funktionieren – traurig.

    Torsten

  2. Anton Launer sagt:

    Ich bin ja dafür, dass sich die Bunte Republik Neustadt um den Welterbetitel bewirbt. Soweit ich weiß, gibt es auf dem Gelände der Republik keine Brücken- oder Brückenbauvorhaben. Die Chancen könnten also gut stehen.

  3. Stephan sagt:

    Man müsste mal den Beschlusstext der Unesco lesen. Dann weiß man auch, was in DD geht und was nicht.

  4. Jane sagt:

    Ich trau mich ja kaum, mich hier zu äußern – als Brückenfreund in der Höhle der Brückengegner sozusagen 😉

    Aber ich möchte doch mal sehr dafür werben, sich etwas zu beruhigen und wieder eine halbwegs neutrale Haltung zum Thema anzunehmen.
    Bei der Verbissenheit und Vehemenz, mit der der Titelverlust und alles, was ihm seither gefolgt ist, zum Teil kommentiert wird, beschleicht mich das Gefühl, dass es Vielen weniger um den verlorenen Titel, denn um die nach aktuellem Stand „verlorene Schlacht“ gegen die Brücke und somit gegen missliebige Politik geht, der nun ja keine Chance gegeben werden soll, alles irgendwie doch noch für sich zum Guten zu wenden, z.B. indem man dann irgendwann wieder auf einen Welterbetitel in Dresden verweisen könnte.
    Die Ermunterung, sich als Stadt Dresden erneut um die Aufnahme in den Kreis der Welterbestätten zu bewerben, kam übrigens von der UNESCO selbst.
    Und wenn über die Waldschlößchenbrücke mit einem Bürgerentscheid entschieden werden konnte, dann kann man das theoretisch und praktisch auch mit einer Neubewerbung Dresdens so handhaben.

    Eine Zusammenfassung des UNESCO-Beschlusses findet sich hier:

    http://www.unesco.de/uho_0609_dresden.html?&L=0

    Ich halte allerdings nach der Erfahrung mit der Brücke nicht mehr allzu viel von dieser Idee, da die UNESCO offensichtlich sehr merkwürdige und durchaus auch willkürliche Maßstäbe anlegt, wenn es darum geht, einzuschätzen, was welterbeschädigend ist und was nicht.
    Ich halte einen aktiv in der Stadtpolitik verankerten Schutz des Dresdner Kulturerbes für weitaus sinnvoller, denn dieses ist durch die Aberkennung des Titels nicht verloren gegangen, sondern immer noch da und unbedingt vor schädigender Nutzung zu schützen.
    Vielleicht sollten wir unsere Kräfte genau darauf konzentrieren, das zu Schützende zu schützen.
    Meines Erachtens nach gibt es noch einen Unterschied zwischen einer Brücke und beispielsweise einem Appartmentblock mit Luxuswohnungen.
    Dresden wurde ja immer gern mit Köln verglichen, das wegen des Baus eines Hochhauskomplexes, der den Blick auf den Kölner Dom komplett verstellt hätte, auch von der Liste gestrichen werden sollte, und deshalb dann einlenkte und das Hochhaus nicht baute. Fakt ist aber, dass Dresden schon zum Zeitpunkt der Titelverleihung mehrere Brücken über die Elbe besaß, die – obwohl auch sie Teile des Blickes auf die Altstadt verdecken – kein Hindernis darstellten, den Titel zu verleihen. Für mich ist die Begründung des Kommitees deshalb unglaubwürdig. Auch die Waldschlößchenbrücke hätte den Stadtblick keineswegs vollständig verstellt, sondern – ähnlich wie das Blaue Wunder – nur teilweise durchbrochen.
    Das sind wie gesagt nur meine Gedanken zum Thema. Bitte fresst mich nicht 😉

    Dein Vorschlag ist übrigens spitze, Anton :DD

  5. Stephan sagt:

    In Köln ging es um den Dom, nicht um die Landschaft oder irgendwelche Brücken. Dort war es der Dom mit seiner Wirkung.

    In Dresden ging es um die Landschaft und ihre Wirkung.

    Den Verweis auf den originalen Beschlusstext der Unesco habe ich deshalb gebracht, weil ich vom Hörensagen weiß, dass sich DD mit seinem alten Welterbegebiet entsprechend den Unesco-Kriterien wiederbewerben oder ganz was neues tun kann. Man muss aber bedenken, die Unesco will authentische Stätten, kein nachgebautes Kulissentheater. Damit bliebe Hellerau übrig. Ich will da aber erst selber den originalen Beschlusstext lesen.

    Mehr später.

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