Gespräch mit einer Amerikanerin aus dem Iran

Als ich mal mit dem Zug nach Prag fuhr, half ich einer Frau am Dresdner Hauptbahnhof den schweren Koffer auf die Gepäckablage zu hiefen. Wir kamen ins Gespräch und wir hörten bis Prag nicht auf zu reden.

Es stellte sich heraus, dass die Frau aus dem Iran stammt und mit dem Ende der „Weißen Revolution“ ihre Heimat verliess. Die islamischen Fundamentalisten hätten wohl das tägliche Leben in ein Gefängniss der Seele verwandelt. Nun lebt sie in San Francisco in einem Häuschen und reist gern durch die Welt, wenn sie nicht in einem Ingenieurbüro arbeitet.

Und so redeten wir über Gott und die Welt, und auch über den Amerikanischen Traum (American Dream). Zur Zeit gehen die geschaffenen Werte der USA vor die Hunde. Die Analphabetenquote steigt, zunehmende Bildung von Armenvierteln bis zur Slumbildung prägen heute einige grossflächige Vorstadtgebiete. Nachdem das Pferd durch den PKW ersetzt wurde, hat sich die Mobilität äusserst negativ entwickelt. Mittlerweile verstopfen SUVs die Highways im Westen der USA und einen flächendeckenden öffentlichen Nahverkehr gibt es in dem Sinne nicht. Es gibt jedoch Ausnahmen, so dass es durchaus möglich ist, ohne Auto zu leben.
Besonders der Konsum von „Junk“ (Müll) macht der guten Frau sorgen. Es gibt zwar wahnsinnig viel zu kaufen, jedoch lässt die Qualität fast immer zu wünschen übrig. Hauptsache es ist billig. Das fängt beim Kuli an und hört bei den Lebensmitteln auf. Jedoch gibt es mittlerweile auch Alternativen, die jedoch deutlich teuerer sind. Ich meinte dazu: Eigentlich ist das unserer wichtigstes Verbrauchsgut unsere tägliche Nahrung. Wenn man dort spart (Frische, Vollwertigkeit), dann spart man an seiner Gesundheit. Sie stimmte mir zu.
Im grossen und ganzen war der Tenor unserer Unterhaltung negativ, da die USA gerade dabei sind, sich selbst kaputt zu machen. Auch eine gewisse Perspektivlosigkeit wurde deutlich, da die Menschen zwar viel täten, aber nur wenig dabei herausbekämen. Gerade der wirtschaftliche Verfall menschlicher Arbeit und historischen Leistungen macht eben deutlich, es kaum noch möglich an die eigentlichen Ideale des Landes anzuknüpfen. Auch wird die unrühmliche Geschichte gegenüber den Ureinwohnern Nordamerikas viel zu wenig reflektiert.

Zur Zeit läuft es wohl so: Höher, weiter, schneller, aber nicht besser. Und das sehen nicht nur wir alten Europäer so, sondern auch ein paar amerikanische Staatsbürger.

PS: Falls sich jemand älteres Kino aus den USA interessiert: „Die Reifeprüfung“ ist ein ganz interessanter Film.

Dieser Beitrag wurde unter Rückkopplung, Umgebungsgedanken veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Gespräch mit einer Amerikanerin aus dem Iran

Kommentare sind geschlossen.