Nachlese zu Wissenschaft im Rathaus – Vortrag über Klimawandel

Gestern Abend war Prof. Dr. Hans J. Schellnhuber im Dresdner Rathaus. Er referierte über den Klimawandel. Der Untertitel der Veranstaltung – „Das Problem und seine Lösung“ – ließ Vorfreude aufkommen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wissenschaft im Rathaus“ statt, von der ich leider keine (gute) Webseite gefunden habe.

Kurz vor knapp erreichte ich den Plenarsaal im Rathaus. Er war schon proppevoll. Eine Frau frug mich, ob ich was suche. Ich suchte Strom für die Videokamera und fand keinen. Sie meinte noch, wie ich denn den Vortrag so einfach aufnehmen könnte. Ich sollte doch erstmal um Erlaubnis fragen. Darauf sagt ich kurz: „Wenn die Veranstaltung öffentlich ist, nehme ich sie auf. Für meinen Privatverbrauch oder für mein Internetjournal. Sie könne sich was aussuchen“. Sie verwies mich an den Vortragenden.

Ich trat an den Herrn Schellnhuber heran, frug ihn knapp, ob er etwas dagegen hätte, dass ich seinen Vortrag zur Veröffentlichung im Internet aufnähme. Er und der Veranstalter verneinten und ich suchte mir einen aufnahmetechnisch schlechten Platz am Saalrand. Ich habe Kamera aufs Stativ geschraubt und schon ging es los. Ich schreibe das deshalb, um mein Herangehen zum Thema „Bürgerjournalismus“ mal zu darzulegen.

Inhaltlich wurde das Problem sehr gut dargelegt. Zumindest wirkte es überzeugend. Ich selber kann nun mal nicht in Grönland oder am Meeresboden nachschauen, ob es der Erde noch „gut“ geht. Nach gut 25 Minuten machte der Kameraakku schlapp. Und ich hatte einen Grund mich zu ärgern. Bei einigen wenigen Gelegenheiten quetschte ich aus dem Akku noch ein wenig Saft und versuchte so noch ein paar Kernpunkte aufzuzeichnen.

Ein paar Dinge wusste ich bis dahin noch nicht. Durch den Einfluss des Jupiters ändert sich die Erdachse ein wenig und so entstanden die Eiszeiten. Bei einer Eiszeit konnte der Meeresspiegel schon mal über hundert Meter absinken. Die Meere fangen an zu versauern, weil der CO2-Anteil in der Luft ansteigt und die Meere CO2 aufnehmen. Es entsteht „Mineralwasser“ in den Ozeanen, was den Kalkschalentieren das Leben nicht gerade erleichtert.

Die Lösungsmöglichkeiten waren eigentlich nicht unbekannt. Man muss von den fossilen Brennstoffen weg und wird somit zukünftig deutlich weniger Energie zur Verfügung haben. Energiesparen und Energieeffizienz sind da die beiden Zauberworte. Damit war ich in Gedanken bei meinem Studiengang, der energieabhängigen Informatik. Und die Waldschlößchenbrücke fiel mir noch ein. Die ist dann erst recht überflüssig, da tendenziell weniger Energie zur Verfügung stehen muss und somit auch die Mobilität neue Wege gehen muss. Vielleicht brauchen wir ja doch eine andere Elbquerung, aber dann eher für kleine Wasserstoffflitzer und Twikes?

Hochinteressant war die geographische Darstellung der Lagerstätten der verschiedenen Brennstoffe wie Öl, Gas, Stein- und Braunkohle. Wir selber haben quasi nur Braunkohle (in Deutschland), die sich nur unter hohem Kosten-/Nutzenaufwand verbrennen lassen würde. Einzig die erneuerbaren Energien stehen weltweit mehr oder weniger gleich verteilt zur Verfügung. Im übrigen ist es Quatsch Ölfrüchte für unseren Biosprit woanders anzubauen. Ein europäisches Verbundnetz von Solar-, Wind-, Hydro- und Biomasseenergie müsse nach Meinung des Vortragenden für eine sichere Versorgung geschaffen werden.

Anschließend habe ich noch kurz den Veranstalter (ein Physiker, hab seinen Namen leider nicht mitbekommen) gefragt, warum solche Veranstaltungen nicht aufgezeichnet werden? Er blickte mich verdutzt an und ich erläuterte ihm das Dilemma.

Die Wissenschaftler arbeiten jeweils fleißig auf ihren Gebieten und werden von den Medien ab und an mal eingebunden. Zusätzlich halten die Wissenschaftler Vorträge für die Politik, wenn es um ein ganz wichtiges Thema geht, auch schon mal im Kanzleramt. Und sie schreiben Papers. Der arbeitende Bürger, kann aber nicht immer am Rundfunk teilnehmen, er verpasst den Wissenschaftler also. Und die Veröffentlichungen sind auch nicht geeignet, um das Problem kurz, klar und knackig zu vermitteln. Und genau das findet bei solchen Populärwissenschaftlichen Veranstaltungen statt. Das Publikum nimmt die Gedanken mit nach Hause, wird aber Mühe haben, diese weiter zu geben. Deshalb ist es notwendig, Vorträge aufzuzeichnen und via Internet auf Abruf anzubieten. Vielleicht schaut der Bürger sich am verregneten Sonntag dann die Aufzeichnung via Videostream an. Alternativ bietet man ein DVD-Abbild (iso-image) an, was man, DSL sei Dank, zu Hause dann zu Hause auf ein Medium brennt und Tante Emma mal mitnehmen kann.

Diese Argumentation kam gut an und ich hinterließ meine Kontaktmöglichkeiten. Meine Videoaufzeichnung wird es wie üblich demnächst hier zu sehen geben, wenn auch leider mit Lücken. Noch eine Frage zum Schluss: Hat jemand mit dem kontroversen Buch „The Skeptical Environmentalist: Measuring the Real State of the World „ Erfahrungen?

Dieser Beitrag wurde unter Dresden, Energie, Nachhaltigkeit, Umgebungsgedanken, Umwelt, Zukunft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

291 Antworten zu Nachlese zu Wissenschaft im Rathaus – Vortrag über Klimawandel

Kommentare sind geschlossen.