Ein Tag des Widerspruchs – Braunkohle und Museumsdorf

Gestern wars. Da ging es mit der Familie in die Lausitz. Ganz effizient, zu 5t im Kleinwagen, bis nach Neu-Trebendorf. Das ist kurz vor Weißwasser in der Muskauer Heide, Oberlausitz. Für mich war klar: 2 Leute fahren Quad und ich besuche mit den verbliebenen 2 Leutchen den Muskauer Park mit seinem neu eröffneten Museum über den Fürsten Pückler.

Am Ort des Quad-Verleihers wurde mir dann aber offenbart, dass ich doch auch mit einem Quad fahren solle, zur Feier des Tages sozusagen. Und so kam es, dass ich, der Fahrradfahrer, auf ein 40 PS starkes und knatterndes Geländevierrad stieg.

Nach ein paar Übungsrunden auf dem Parkour des Verleihers ging es hinaus auf die Kippe des Braunkohletagebaus Nochten / Reichwalde. Der Verleiher hat sich dort mit Vattenfall und den Behörden geeinigt und darf somit über das Privatgelände des Energieriesen fahren.

Das Fahren im Tagebau hat schon Spaß gemacht, wenn da nicht der Lärm und das Abgas gewesen wären. Wegen dem vordneten Kolonne-Fahren hatte man immer hübsch den Mief der Vorausfahrenden um den Helm wehen. Der Aussichtsturm direkt am Tagebaurand bot dann auch die passende Aussicht.

Kraftwerk Boxberg, Tagebau, vergrößerbar

Man gräbt sich dort von links nach rechts durch Bild. Die Braunkohle des dunklen Flözes wird freigelegt, weggebaggert und dann im Kraftwerk im Hintergrund verbrannt.

rechter Teil der Förderbrücke, vergrößerbar

Wie so ein Tagebau aussieht, wusste ich ja, aber die Dimension von Nochten war mir bis dato nicht so klar. Dummerweise ging es mit dem Quad dann durch den Wald und Wiesen zurück. Als Wanderer und Radfahrer hätte ich mich beim Pilzesuchen tierisch über den Lärm beschwert. Bis zum Aussichtsturm war die Fahrerei durch den Tagebau recht spannend, die Waldstrecke hätte gern kürzer sein können.

Quadfahren macht hungrig, deshalb ging es dann weiter zum Ehrlichthof Rietschen. Dort gab es lecker schlesisches Himmelreich zum Essen. Neben der Gaststätte gibt es noch weitere, bis zu 300 Jahre alte, Schrotholzhäuser, die in Rietschen wiederaufgebaut wurden, um einen Eindruck eines früheren Heidedorfes zu vermitteln. Früher waren die aus geschroteten Kiefernstämmen gebauten Häuser mit Stroh gedeckt. Ich hoffe, dass 9 Bilder einen gewissen Eindruck vermitteln.

kleines Fenster

Scheune

gute Stube mit großem Kachelofen

Auswahl von Wäsche, leider ohne Schafwollschlüpfer

Krauthobel, Kraut gab wichtige Vitamine im Winter

Naturbesen

Küchenutensilien mit grüner Hand-Milchzentrifuge zum Entrahmen

kleines Gärtchen an Stirnseite

Ofen

Und jetzt sollte dem Leser auch klar werden, dass ich gestern in zwei Welten war. Den Vormittag verbrachte ich in der modernen ressourcenfressenden Zeit von heute und am Nachmittag tauchte ich in die nachhaltigere Vergangenheit von „gestern“ ein. Auf der einen Seite freut man sich schon über den technischen Fortschritt, aber trotzdem wird das Herz ein wenig wehmütig, wenn man die Geschichte mal Anfassen kann. Anfassen ist übrigens das richtige Stichwort: Alle Gerätschaften mussten von Mensch oder Tier betrieben werden. Nirgendwo war ein elektrischer Helfer zu sehen.

Ich bin mir sicher, dass es sich lohnt die ein oder andere Tradition zu bewahren. Irgendwann werden wir alle nämlich kleinere Schritte machen müssen (ohne Braunkohle) und dann wird sicher das ein- oder andere Werkzeug aus der Vergangenheit sein Revival erleben. Reto aus der Schweiz hat übrigens ein ganz ähnliches Erlebnis gehabt.

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