Gedanken zu bringmirbio.de

Irgendwann in dieser Woche las ich bei Konsumguerilla und Horst über bringmirbio.de. bringmirbio ist ein bundesweiter Bio-Kisten-Versender, der mal klein unter dem Namen „Paradieschen“ und „Fruchtversand“ gestartet wurde. Über die Webseite von bringmirbio kann ich also ganz bequem meine ökokorrekte Lebensmittelkiste bestellen.

Doch irgendwie habe ich ein blödes Gefühl bei diesen Versendern. Doch warum? Mal schauen..

Anmerkung: Die kursiv eingerückten Blöcke sind Antworten auf meine Kritik seitens bringmirbio. Ich habe die Antworten gleich mit in den Text eingebaut.

Die Webseite

Beim Benutzen der Weltnetzseite kann man echt nichts verkehrt machen. Die Produktkategorien navigiert man im oberen Bereich an, in der linken Navigation verfeinert man dann seine Wünsche. Schnell ist eine Bestellung zusammengeklimpert.

Umständlich ist das Befüllen der Merkliste. Man muss erst extra das Produkt anklicken, um eine Schaltfläche für den Eintrag auf der Merkliste zu sehen. So im Vorbeigehen klappt das mit der Merkliste leider nicht.

Stimmt, wir benutzen einen Web Shop auf dessen Software wir natürlich angewiesen sind. Es gibt so manche Funktion im Shop die uns und den Kunden natürlich das Leben schwer macht. Die Merkliste wurde von mir genau so kritisiert wie auch das ständige springen in den Warenkorb. Echt lästig.

Bei mehr traffic auf dem Shop werden wir hier (hoffentlich) mehr Einfluss haben. 

Die Versandgebühren werden zwar kleingeschrieben angezeigt, aber nicht sofort auf den Warenkorbpreis eingerechnet. Mich interessiert aber, was ich komplett zahlen muss. Und da gehört Porto mit rein. Das macht so ziemlich jeder Onlineshop nicht ganz richtig.

Transparenz ist für uns immer wichtig! Wir weisen mehrfach auf unsere Seiten darauf hin, wie die „Geschäftsbedingungen“ sind. Es nützt nix dem Kunden irgendetwas vorzuenthalten. Irgendwann erfährt er es sowieso und ist dann verärgert. Der Shop gibt die Versandkosten nicht gleich beim Füllen des Warenkorbs an, klar ab 60,-€ entfallen die ja auch. Ich werde trotzdem nachfragen ob wir die „dynamisch“ anzeigen können.

Herkunft der Produkte

Ein ganz grosses Manko ist die Herkunftsbezeichnung der Produkte. Da stehen irgendwelche Kürzel, die nirgendwo erklärt werden. Kein Link, kein gar nichts. Wenn ich nicht wüsste, dass es eine Frima namens Davert gibt, wäre das verwendete Kürzel „DAV“ sinnfrei.

Herkunft Mohn

Beim gezeigt Beispiel des Mohns wird mir als Kunde zwar klar, dass der Mohn von Davert kommt, aber nicht woher der Mohn kommt. Dabei würden simple Fotos in ordentlicher Auflösung von alles Seiten des Produktes dieses Problem aus der Welt bringen.

Herkunft Salat

Beim Salat steht, dass er von „Demeter Stockner“ kommt. Google findet da auch was, nur warum muss ich erst Google bemühen und ~11 Wh Strom für die Suchanfrage verschwenden? Es könnte doch gleich der Link auf die Weltnetzseite http://www.demeterhof-stockner.de/ zum Klicken einladen. Obercool wäre ein kleiner Ausschnitt einer Karte mit der Produktherkunft.

Tomaten aus den Niederlanden oder Italien können noch so Bio sein, kaufen würde ich die trotzdem nicht. Das sind nunmal Saisonfrüchte und wenn unsere Gewächshäuser keine ökologische Produktion mehr zulassen, dann muss auch mal Schluss sein.

Alles in allem könnte man bei der Herkunftsbezeichnung der Produkte mehr Transparenz schaffen. Verpackungsfotos von allen relevanten Seiten und ordentliche Verweise ins WWW würden echt helfen.

Stimmt! Wir arbeiten ständig an unseren Produktinfo´s. Diese Daten kommen direkt vom Händler und müssen alle manuell überarbeitet werden.

Heute zum Beispiel sind die Weine überarbeitet worden. Wir bleiben dran!

Im Übrigen ist die Pflege der Daten ein Heiden Aufwand, gerade bei der Frische. Wir müssen da immer auch nach Biokontrolle Vorgaben Arbeiten.

Die hätten überall am liebsten kba drinstehen, zumindest sind wir als Händler dann nicht mehr angreifbar. Für den Kunden ist das aber nicht hilfreich. Die Länderkürzel stehen immer dabei wenn es kein deutsches Produkt ist. Weitere Verbesserungen sind in Arbeit und werden zu späterer Zeit folgen.

Sonstiges

bringmirbio versendet im Pappkarton. Das Ding wird in der Regel weggeschmissen. Warum da keine Mehrwegverpackung verwendet wird, ist mir schleierhaft. Überhaupt müssten sich alle Direktversender mal zusammentun und einen europaweiten (oder globalen) Standard für Versandverpackungen etablieren. Im Zusammenspiel mit den Packstationen der Post könnte man ganz elegant Verpackungskreisläufe realisieren. 20 € Pfand für eine ordentliche Verpackung tun einem ja nicht weh.

Hier haben wir schon einige Jahre Erfahrung. Wir haben schon mit der Postbox versendet –Katastrophe- die Produkte waren dann nicht mehr zu gebrauchen. Aber gerade mit der Logistik haben wir die meisten Probleme. Das liegt aber an der Branche, das ist denen schei… egal wie so ein Paket beim Kunden ankommt. Die besten Erfahrungen haben wir mit dem Express Service von DHL, dort haben wir die wenigsten Reklamationen, und die Kartons haben hier den Vorteil bester Qualität und fungieren als Knautschzone. Alle Verpackung soll nach Möglichkeit in die Papiertonne wandern.

Die Packstationen der Post eignen sich leider nicht für den Paketversand, die sind einfach zu klein. Das Pfandsytem Postbox ist letztes Jahr eingestellt worden. Die Kosten für verschwundene Postboxen waren immens.

bringmirbio sendet mir zwar frische Produkte, aber wenn ich hier in Dresden dann regionale Produkte aus dem Rhein-Maingebiet beziehe läuft irgendwas entschieden falsch. Regionalität ist gefragt! Da gehe ich lieber auf dem Markt oder im Bioladen um die Ecke einkaufen. Einzig eine Sammelbestellung von nichtfrischen Dingen (Gewürze,…) würde ich da noch machen. Aber vielleicht können die ja wachsen oder Vertriebspartner auftun. Allein aus regionalpatriotischer Sicht würde ich immer die Biokiste aus der Region vorziehen.

Das ist leider ein Irrglaube, die wenigsten Produkte kleinerer Markthändler oder Läden sind regional. Meistens sind das nur 2-3 Produkte. Und wenn die nicht vom eigenen Hof kommen dann wurden sie über den Großhändler wer weiß wo rumkutschiert. Wir versenden unsere Ware aus Geiselbach, ziemlich Mitte Deutschland. Viele Produkte beziehen wir direkt von den Anbauern, ich möchte wetten unsere Ökobilanz ist besser als jeder Ladeneinkauf mit dem Auto vor Ort. Genaue Auswertung gibt es nicht. Im Übrigen möchten wir den CO2 freien Versand Go Green von DHL einführen. Kommt aber noch.

Anmerkung von mir dazu: Dann habe ich in meiner Situation extrem viel Glück. Meine Quellen für Obst und Gemüse haben viel im eigenen Anbau. Die bieten zwar auch andere Dinge an, die ich aber in der Regel nicht kaufe. Fairerweise muss ich zugeben, dass von mir gekaufte Gemüse kein Bio-Siegel trägt.

Allein aus regionalpatriotischer Sicht würde ich immer die Biokiste aus der Region vorziehen.

Stimmt, würde ich auch machen. Wir haben nicht vor den regionalen Anbietern Konkurrenz zu machen. Wenn die ihre Arbeit gut machen dann werden die auch unterstützt werden. Bringmirbio könnte unseren regionalen Lieferservice Paradieschen kaum einen Kunden streitig machen. Es gibt genug Kunden in Deutschland, die einfach eine Top Bioqualität kaufen möchten und alle Vorteile unseres online Service nutzen möchten. Warum auch nicht.

Komischerweise kommen die meisten Bestellungen aus Ballungsgebieten wie Hamburg, Köln und München, die die besten Läden und Abokisten haben sollten?

Anmerkung von mir dazu: Scheinbar gibt es noch immer viel zu wenig „Bio“ aus Deutschland. Alles andere wäre ja auch ein Wunder.

Preise? Die sind hoch. Gut Ding hat eben sein Preis.

Fazit

Ausser in Ausnahme- und Notfällen wäre bringmirbio nichts für mich. Grundsätzlich sollte Ernährung regional erfolgen. Und gerade strukturschwache Regionen können von kleinteiligen Kreislaufwirtschaften profitieren. Und wenn ich mit dem Verkäufer kein Schwätzchen mehr halten kann, dann fehlt mir ein Stück Einkaufserlebnis. Vielleicht würde ich die Sache anders sehen, wenn ich mächtig viel Geld verdienen, mitten in Frankfurt/Main leben und es keine Bioläden geben würde. Das tue ich aber nicht. Von daher kann ich den Toptipp von konsumguerilla nicht als Toptipp durchgehen lassen.

Verpackungen aller Orten, Quelle: bringmirbio

Versenden hat immer den Nachteil der Verpackung. Dieses Bild von bringmirbio macht den Verpackungswahn deutlich. Wenn ich Gemüse kaufe, geht das deutlich minimalistischer zu.

Übrigens hat meine Oma in ihrer Jugend sogar noch Schüsseln zum Einkaufen mitgenommen. Quark und Heringe sind beispielsweise zwei Produkte, die es damals nur unverpackt gab.

Nachtrag: bringmirbio hat in einer E-Mail geantwortet. Die Antworten sind kursiv eingerückt an den entsprechenden Stellen gleich im Text verbaut.

Dieser Beitrag wurde unter Ernährung abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

852 Antworten zu Gedanken zu bringmirbio.de

  1. Pingback: Ansichtssachen

  2. Pingback: Umgebungsgedanken » Blog Archiv » Antwort von bringmirbio und Gedanken zur Logistik

Kommentare sind geschlossen.