Verlust von Kleinteiligkeit auch in der Stadt Dresden

Nicht nur auf dem Land um Dresden herum gehen die kleinen Läden kaputt, auch in der Stadt selbst verschwinden zu Fuß erreichbare Läden mit Waren des täglichen Bedarfes. Zwei konkrete Situationen möchte ich euch nun schildern. Die folgenden Bilder lassen sich mittels Anklicken vergrößern.

Straßenkreuzung im Villenviertel

Ich zeige euch nun zuerst vier Eckhäuser einer Kreuzung aus dem (reichen) Villenviertel Dresden-Striesen ohne weitere Erklärung.

potentielles Versicherungsmaklerbüro

Die Konditorei hat überlebt.

unsaniertes Haus bietet alternative Chancen

Ladenecke verschwunden

Fällt euch was auf?
Was gehört klassisch an die vier Ecken?

  1. Bäcker
  2. Fleischer
  3. Lebensmittelladen mit Molkereiprodukten
  4. Gemüseladen

Blumenläden, Cafés, Warenläden des täglichen Bedarfes, Eisenwaren, Schuhmacher, Uhrmacher, Reparaturbetrieb oder sonstig nützliches Geschäft, fanden wechselnd an den vielen anderen Ecken ihren Platz.

Damit wäre das Mini-Versorgungszentrum komplett. Ein paar Ecken weiter sieht es genauso aus. Manchmal sind auch alle 4 Läden verschwunden. Das hat zur Folge, dass man eben nicht auf dem Heimweg von der Straßenbahn kommend, mal eben seinen Einkauf machen kann. Wer heute „modern“ ist, fährt eben mit dem Auto in den Großmarkt.

Das krasse Gegenbeispiel mit den selben Entwicklungserscheinungen stellt die zweite Situation dar, die Mohnstraße im ehemaligen Arbeitervorort Dresden-Pieschen.

Mohnstraße in Dresden Pieschen

Aus folgendem Tondokument (mp3) eines Stadtteilspazierganges kann man folgendes über die Mohnstraße entnehmen:

[audio:http://umgebungsgedanken.momocat.de/wp-content/uploads/2008/10/mohnstrasse.mp3]
  • 4 Fleischer
  • 5 Bäcker
  • 1 Böttcher
  • 3 Altwarenhandel
  • 2 Textilwarenläden

Die Liste ist wahrscheinlich nicht ganz vollständig und leider ohne Zeitangabe. Was ist ein Altwarenhandel? Dankenswerter Weise kann behutsame Restaurierung die Frage klären:

ehemaliger Altwarenhandel in der Mohnstraße Dresden

Heute findet man auf der Mohnstraße folgendes:

  • 1 Textilwaren
  • 1 Musikinstrumentenverkauf und Reparatur
  • 1 Podologe
  • 1 Suppenbar
  • 1 Kneipe
  • 1 Spielbar
  • 1 Internetcafe
  • 1 Waschsalon
  • 1 Kosmetikladen
  • 1 Zahnarzt
  • 1 Heizungs- und Sanitäranlagenbau
  • 2 Sozialhilfeläden
  • 1 Autowerkstatt (Hinterhof)
  • 1 Elektrohandel (für den gewerblichen Bedarf, Hinterhof)

Und auch hier habe ich ein Bild einer Hausecke:

Pieschener Getränke-Eck, geschlossen

Im Wesentlichen gehen heute viele Pieschener in den Discountern oder im nahe gelegenen Einkaufszentrum Elbepark einkaufen. Nur die Oschatzer Straße und das Pieschener Ecke mit den vielen kleinen Läden bieten als kleine Stadtteilzentren da noch eine Alternative. Die Discounter sind zwar billig und effizient, aber sonst auch nichts. Sie haben erfolgreich Handwerk und Kleinunternehmer (Arbeitsplätze) verdrängt und somit auch die Auswahl an Produkten eingeschränkt. Die Versorgung im Lebensmittelbereich hat sich also völlig verändert. Und meiner Meinung war diese Entwicklung nicht gerade nachhaltig. Aber Trends lassen sich ja zum Glück auch umkehren, so dass die Spirale des Zusammenbruchs nicht immer ihren Strudel entfalten und die lebendige Stadt begraben muss.

Quelle: Landeshauptstadt Dresden, Referent für nachhaltige Entwicklung, Lerm/Blätterlein, Grafik: Milde

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