Ja was ist denn das? – Ein Parkhaus hat sich verirrt.

Wenn man durch Dresden fährt, sieht man schon recht merkwürdige Dinge. Da hat man das historische Zentrum mit den ganzen alten Steinen, die Bahnhöfe mit altem Eisen und dann das:

Metallgebäude
Das wird mal ein Parkhaus in Nachbarschaft zur ehemaligen Tabakwarenfabrik Yenidze . Es besticht durch seine Schlichtheit, man könnte auch Einfallslosigkeit sagen. Die Verkleidung ähnelt irgendwie einem Gefängniss. Aber betrachten wir mal ein paar Punkte der Reihe nach.

Die Baumaterialien

Beton ist billig und wird auch gerne mal unverkleidet präsentiert. Das kann gut aussehen, muss aber nicht. Wenn man jedoch einen Stadtteil hat, wo Sandstein und andere weniger künstliche Bautmaterialen dominieren, dann ist doch ein harter Kontrast für die Augen. Architekten nennen das immer „Spannung“ – im Kontrast zum Alten stehen. Jedoch werden die Merkmale der historischen Bauweise komplett ignoriert. Am Ende wird es an diesem Gebäude nichts geben, was irgendwie an Sandstein erinnert.

Schlimmer ist jedoch die Fassade. Da wurden einfallslos grosse Metallgitter angebracht. Da gibt es auf der ganzen Front keine Unterbrechung, keine Auflockerung. Für einen Zweckbau abseits vom Trubel mag das ja okay sein, aber doch nicht mitten im Zentrum einer Stadt. Solch eine Fassadengestaltung könnte ich mir in einem Industriegebiet gut vorstellen.

Die Architektur

Geometrische Grundformen sind was tolles. Kleine Kinder bauen daraus die tollsten Dingem, auch Garagen für Autos. Grosse Kinder hingegen machen das scheinbar genau so. Die planen das Ganze vielleicht noch am Computer, aber am Ende kommt wohl das selbe Niveau heraus. Klötzchen, schön sauber aufgeschichtet, homogene Strukturen, damit alles „schön“ aussieht. Erm…ja, scheinbar wollte der Bauherr kein Geld für Arichtektur ausgeben. Überhaupt scheinen die Verantwortlichen für diesen Bau sehr wenig Einfühlungsvermögen zu besitzen. Nirgendwo findet man für die Region typische Elemente am Bau wieder. Das zeugt von einem überzeugten Selbstvertrauen oder purer Ignoranz. Vielleicht kann mir mal ein Architekt erläutern, warum das so ist? Letzendlich könnte man meinen, dass dieses Objekt ohne jegliches Verantwortungsbewusstsein für den lokalen Kontext geplant wurde.

Ästhetik am Bau?

Dieses schroffe kantige würfelartige Gebäude hat für mich gar nichts angenehmes mehr. Das Auge bleibt daran kleben, weil es über die Strukturlosigkeit „stolpert“. Täglich sieht man Fenstersimse, kleine Türmchen, Mäuerchen, ja die ganzen kleinen schmucken Dinge. Nicht hier. Dass ein Parkhaus nicht so reizvoll wie ein Dresdner Barokgebäude aussehen soll, verlange ich ja nicht, aber eine Reminizens an die Historie der Gegend wäre doch irgendwie angebracht. Man hätte ja Fenster für die Autos schaffen können, so dass die Autos aus ihrer Garage blicken können, aber das wäre wohl zu kindisch gewesen. Elemente von der Yenidze hätte man ja auch aufnehmen können.

Yenidze neben Parkhaus
Man kann es wenden wie man es will. Das Parkhaus ist in meinen Augen hässlich. Stadtplanungsamt, Bauherr und Architekt haben es in meinen Augen nicht verstanden, neues und altes miteinander zu verbinden. Es wurde kommentarlos gegenüber gestelllt. Von einem Ensemble kann da keine Rede mehr sein. Das Baukosten eine Rolle spielen ist klar, aber nichtmessbare Dinge sind genau so wichtig. Wenn wir weiter so bauen, dann wird es mit der heimatlichen Identifzierung irgendwann vorbei sein. Dann haben wir keinen Ruhepunkt mehr, für den es sich lohnen würde, etwas zu investieren.

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