Sind die Ostdeutschen die schlechteren Bürger?

Glücklicherweise habe ich die dnn, die Lokalzeitung aus Dresden, vom Montag in die Hand bekommen. Darin ist ein längeres Interview mit Prof. Dr. Dr. Gerhard Besier, seines Zeichens Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung an der
Technischen Universität Dresden. In diesem Interview äussert sich Besier wie folgt:

„Aber das hängt doch mit den Sozialisationsbedingungen zusammen, nicht mit dem höheren Maß an Entkirchlichung. 40 Jahre Obrigkeitsstaat mit dem Zwang zu Gehorsam und der Neigung zum Rückzug in Nischen sind in 15 Jahren anscheinend nicht zu überwinden.“

Wenn ich ihn als richtig verstehe, kann man der älteren Generation von Ostdeutschen wenig Vorwürfe machen, dass sie sich aus der Öffentlichkeit oftmals heraushalten. Die Strukturen im Kopf eines Menschen festigen sich besonders in der Jugend. Wenn man also in seiner Jugend beschliesst, sich komplett aus der Öffentlichkeit herauszuhalten, um sich in seine Niesche zu flüchten, der wird nicht von heute auf morgen Eingaben in seinem Ortsamt tätigen. Besonders das Finden von Nieschen und pflegen von Vitamin B(eziehung) war in Zeiten des allgegenwärtigen MfS sicher notwendig, um seine persönliche Freiheit ausleben zu können. Natürlich gibt es auch die Leute, die einfach nicht still halten können oder das „Politische“ schon mit der Muttermilch eingesogen haben.

Wenn wir also in Zukunft höhere Wahlbeteiligungen und allgemein eine politische Öffentlichkeit sehen wollen, dann müssen wir wohl etwas dafür tun. Zum einen darf politische Bildung in der Schule nicht enden, dafür verlassen die Schüler die Schulen zu zeitig. Was nützt eine orientierungslose, im Wohlstand lebende Jugend ohne Vision?

Weiterhin ist Bildung ein Prozess, da heisst es am Ball bleiben! Doch ist dies natürlich mit Opfern verbunden, deren Ergebnisse sich nicht sofort zeigen werden. Gerade als Nichtjurist und absoluter Verwaltungrechtsidiot hat man kaum eine Chance irgendwelche Verwaltungsprozesse nachzuvollziehen. Ich sehe da auch die Verwaltung gefordert sich in gewissen Maßen zu öffnen.

Ich wage es mal, abschliessend die Frage der Überschrift zu beantworten, mit „Jein“. Biologischen Denkmustern ein Schnippchen zu schlagen ist nicht gerade trivial, auf der anderen Seite sind wir in der Lage strukturiert nachzudenken, um die grössten Probleme zu lösen. Vielleicht wird es Zeit (gibt es einen Schweinezyklus der Geschichte?), wieder einen alten Wahlspruch von Immanuel Kant herauszugraben?

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

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