UNSER TÄGLICH BROT

In Österreich wurde wieder ein Film über die europäische Lebensmittelproduktion gedreht. Der Film trägt den Titel „UNSER TÄGLICH BROT“ und soll natürlich motivieren weiter zu denken. Laut den Informationen auf der Webseite kommt der Film am 18. Januar 2007 in die Kinos. Anders als im Film „We Feed The World“ gibt es in diesem Dokumentarfilm keine Interviews. Anbei habe ich noch ein Interview(aus der Pressemappe) mit dem Regisseur Nikolaus Geyrhalter zur Verfügung gestellt.

Warum hast Du diesen Film gemacht?
Grundsätzlich mache ich Filme, die ich selber gerne sehen möchte. Mich faszinieren Zonen, wo man normalerweise nicht hineinsieht. Das war schon bei der Zone von PRIPYAT so und bei ELSEWHERE, und auch die Lebensmittelproduktion ist ein geschlossenes System, von dem man ganz unklare Vorstellungen hat. Die Bilder der Werbung, in denen Butter gerührt wird und ein kleiner Bauernhof mit verschiedenen Tieren gezeigt wird, haben nichts mehr damit zu tun, wo unser Essen tatsächlich herkommt. Es herrscht eine Entfremdung in Bezug auf die Entstehung unserer Nahrung und auf diese Arbeitswelten, die es lohnt, aufzubrechen.


In UNSER TÄGLICH BROT gibt es wie in allen Deinen Filmen keinen Off-Kommentar, hier gibt es aber auch keine Interviews …
Ich denke meine Filme meistens in Plansequenzen, in denen dann auch Interviewszenen enthalten sind. Hier werden Arbeitswelten gezeigt, die für sich stehen. Die Menschen arbeiten in Räumen, die sehr menschenleer sind, während der Arbeit wird nicht viel gesprochen. Wir haben anfangs sehr viele Interviews geführt. In der parallel zu den Dreharbeiten schon begonnenen Schnittarbeit mit Wolfgang Widerhofer hat sich aber gezeigt, dass diese Interviews die Wahrnehmung des Films eher stören, unterbrechen. Wir haben uns dann für die radikalere Form entschieden, weil sie im gedrehten Material auch so angelegt ist. Der Film will reale Arbeitssituationen zeigen, und in langen Einstellungen genügend Raum lassen für Gedanken und Assoziationen dazu. Das Publikum soll einfach in diese Welt eintauchen und sich selbst eine Meinung bilden. Über die einzelnen Betriebe und Daten und Fakten informiert der Film nicht. Das ist für diesen Film auch irrelevant, ob die Kükenfirma in Österreich, Spanien oder Polen ist, und auch wie viele Millionen Schweine pro Jahr in dem gezeigten Großbetrieb geschlachtet werden. Diese Aufklärung wird durch den Journalismus, durch Fernsehen geleistet, das ist für mich nicht die Aufgabe eines Kinofilms. Ich denke auch, dass es mir als Zuschauer zu leicht gemacht wird, wenn ich mit Informationen abgefüttert werde. Das berührt mich kurzzeitig, regt mich auf, wird dann aber sehr schnell relativierbar, und funktioniert wie alle übrigen Sensationsnachrichten, mit denen wir Tag für Tag zugemüllt werden, weil sie die Verkaufszahlen der Medien heben — die uns und unsere Wahrnehmung der Welt aber letztlich stumpf werden lassen. Hier soll der Blick hinter die Strukturen zugelassen werden, Zeit gegeben werden, Geräusche und Bilder wahrzunehmen und die Auseinandersetzung mit einer Welt ermöglicht werden, die unsere Grundnahrungsmittel herstellt und doch so verdrängt wird.

Wie schwierig war es, Drehgenehmigungen zu bekommen?
In wenigen Fällen sehr leicht, weil die Betriebe stolz sind auf das, was sie leisten, auf Erfindungen und Arbeitsabläufe, Produktsicherheit und sie auch Lust hatten, bei einem Film mitzuarbeiten, wobei es sicherlich geholfen hat, auf frühere Werke verweisen zu können. Es gibt auch Leute in diesen Firmen, die die Entfremdung der Konsumenten von der Herstellung der Nahrungsmittel als Problem betrachten, weil es so seitens der Konsumenten auch kein Verständnis für ihre Anliegen gibt. Sehr viele Firmen haben aber Angst vor der Öffentlichkeit, vor dem, was so ein Film deutlich machen könnte, weil es natürlich immer wieder Skandale gibt, und sie sich vielleicht denken: wenn schon ein Skandalfilm, sollen sie ihn bei der Konkurrenz drehen!

Dem Film geht es aber nicht darum, Skandale aufzudecken?
Ich wollte so sachlich wie möglich Bilder dieser Branche, dieser Arbeitswelt sammeln und sie wahrnehmbar machen. In dieser hochtechnisierten Welt liegt die Faszination, die von Maschinen und der Machbarkeit, dem menschlichen Erfindungs- und Organisationsgeist ausgeht, eng neben Grauen und Kälte. Hier werden Pflanzen und Tiere genauso behandelt wie irgendwelche anderen Waren, und auf reibungsloses Funktionieren wird großer Wert gelegt. Da geht es dann vor allem darum, wie können die Viecher möglichst effizient und Kosten sparend geboren, aufgezogen und gehalten werden, und wie muss ich sie behandeln, dass sie die Zeit und den Weg zum Schlachthof möglichst unbeschadet und frisch überstehen, und Medikamentenrückstände und Stresshormone im Fleisch unter den Grenzwerten bleiben. Ob sie glücklich sind, fragt sich keiner.

Wenn man das, durchaus zu Recht, als Skandal betrachten will, dann muss man aber auch weiterdenken. Dann ist das der Skandal unseres Lebensentwurfs, weil diese ökonomische, „seelenlose“ Effizienz in einem wechselseitigen Verhältnis zu der Lebensweise unserer Gesellschaft steht. Jetzt zu sagen: Kauft mehr Bio! Esst weniger Fleisch! ist sicher nicht falsch. Aber es ist auch ein Ausrede, weil wir alle täglich von den Früchten der Automatisierung und Industrialisierung und Globalisierung profitieren, die ja über den Bereich der Nahrung weit hinausgehen.

Ist so für Dich auch der Titel des Films UNSER TÄGLICH BROT, mit seinem religiösen Anklang, zu verstehen?
Der Titel verweist auf unsere Kulturgeschichte und wirkt durch seine religiöse Assoziation umso krasser, wenn man dann sieht, wie der Mensch mit seinen Ressourcen und seinen lebenden Kollegen umgeht. Ich denke ja immer weiter, die nächste Strophe wäre dann: Und vergib uns unsere Schuld. Aber er verweist auch auf den täglichen Broterwerb, auf die Normalität dieses Alltags, auf die Frage, wie arbeitet der Mensch, und wie hat sich diese Arbeit verändert? Wer steuert die Maschinen, wer kontrolliert die Prozesse – und wer gräbt mit den Händen in der Erde oder pflückt die Gurken vom Strauch? Wie ist das tägliche Brot aufgeteilt im gegenwärtigen Europa?

Der Film schafft so auch ein Stück Zeitgeschichte?
Das denke ich schon. Ich sehe meine Filme immer auch als Filme für die Archive, die man in 50 oder 100 Jahren ausgraben wird und sich anschaut und denkt: ‘So haben die das damals auch schon gemacht’ oder ‘Das haben die damals noch so gemacht’. So hat etwas angefangen oder ist zu Ende gegangen. Formal versuche ich so zeitlos wie möglich zu sein, es sollte ja nicht darum gehen, zu sagen, so haben die Filme damals ausgeschaut. Mir ist wichtig, dass ein Film ein Stück Zeit, ein Stück Geschichte festhält. Ganz besonders gilt das auch für diesen Film.

Warum kommen solche Filme eigentlich nur aus Österreich?

Via: IPB Blog

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Lebensmittelirrsinn Ölivenöl

Olivenöl ist ein Kulturgut, zumindest sagen das die Italiener. Gerade jetzt ist Erntesaison für Oliven in Italien. Wohl gerade deshalb war im Wochenendmagazin (9./10.12.2006) der Sächsischen Zeitung ein Bericht über die leckeren Früchte enthalten. Daraus will ich nur ganz wenig zitieren.

Italien exportierte in der letzten Saison 690 000 Tonnen Ölivenöl. Gleichzeitig importierte es, im Jahr 2005, 450 000 Tonnen des Öls. Ansonsten gilt für Olivenöl das selbe wie für andere Lebensmittel. Wo der eine auf solide Handarbeit und Erfahrung setzt, nutzt der andere Technik im grossindustriellen Maßstab.

Die Bauern im Hauptanbauland Apulien beschweren sich, dass die Raffinerien ausgerechnet ihrer Region zu 80 Prozent ausländische Oliven verarbeiten – sie selber transportieren ihre Ware lieber in die Toskana, weil die Marke Toskana besser zieht als die Marke Apulien. Der toskanische Marktanteil, inbesondere bei Öl „aus geschützten Anbaugebieten (DOP)“, ist viermal so hoch wie der apulische – die Gesamternte beträgt aber nur ein Zehntel.

Dann wird weiter geschrieben, dass die Spanier lieber ihre Oliven nach Italien schicken, weil italienisches Öl im Markt besser ankommt. Das übliche Gepansche eben.

Aber hat nicht ein deutscher Experte – Hort Schäfer-Schuchardt von der Zeitschrift „Feinschmecker“ – ausdrücklich befunden, gerade im Verkauf von Bio-Öl werde „nach Strich und Faden betrogen“? Ingarrica [italieniescher Traditionsölbauer] sagt: „Die einzige Garantie, die du hast, ist, dass du den Bauern kennst.“

Und am Ende bekommen diverse (gute) Olivenöle kein europäisches Qualitätssiegel, weil sie nicht den „Normen“ entsprechen.

Die Worte Ingarricas sind die entscheidenden. Entweder man bezahlt bei uns einen sehr hohen Preis für das Olivenöl und hofft, dass es guter Qualität ist. Oder man bezahlt vor Ort einen ebenfalls hohen Preis und bekommt wirklich gute Qualität. Ich will das so bestätigen. Wir haben uns im letzten Italienurlaub fünf Liter Olivenöl direkt vom Ölbauern gekauft und kräftig über den Preis geschluckt. 40 Euro für 5 Liter Olivenöl, dass tat erstmal richtig weh. Aber der Geschmack ist ein Traum. Davon esse ich auch schon mal so einen Teelöffel voll, was beim Olivenöl vom Billigdiscounter einfach nicht geht.

Übrigens, die grösste Freude für mich war, einen Finger in den fließenden Ölstrahl zu halten, um sofort festzustellen, wie gut Olivenöl schmecken kann.

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Ein Zeitungsartikel und ein Türgespräch

Da liest man ein Zeitungsartikel(faz) über die Intransparenz von Hilfsorganisationen und just 15 Minuten später steht ein Malteser vor meiner Tür und wirbt für eine Spende.

Natürlich „besetzen“ die Hilfs- und Wohlfahrtsorganisationen auch einen großen Teil des Marktes Gesundheit. Vielleicht ist obiger Artikel genau aus dem Grund geschrieben worden, das die gemeinnützigen Gemeinschaften in einem schlechten Rampenlicht stehen sollen. Weil die Privaten das eh besser können, vor allem billiger (weniger Geld – weniger Leistung ?).

Auf der anderen Seite sammeln eben solche Organisationen zum Beispiel auch Mobiltelefone (Malteser sammeln Handys). Da gibt es einen nettes Werbevideo der Malteser zu sehen, wie ein kleiner Knirps das Mobiltelefon in einen Umschlag steckt und diesen in den Briefkasten wirft. Nur wer bitte kann ein Mobiltelefon ohne Ladegerät benutzen? Schaut man genauer hin wird auch dieses Problem klar: Für die zurückgeschickten Altgeräte gibt es eine „Entsorgungspauschale“, die nicht der ehemaliger Handybesitzer bekommt, sondern eben die Malteser. Man spendet also die Entsorgungspauschale.

Und am Ende landen die alten Mobiltelefone in Afrika auf dubiosen Müllhalden.

Naja, so ganz konnte mich der freundliche Malteser an Tür vorhin nicht überzeugen. Das klingt zwar hart, aber es ist eben so. Die Malteser machen sicher einen guten Job. Doch finde ich noch nicht einmal einen Rechenschaftsbericht auf deren Webseite. Ich würde schon gern wissen, wohin die Spendengelder fließen. Laut Aussage des Werbers haben die Malteser 12,5 % Verwaltungskosten, beim Deutschen Roten Kreuz sind es wohl über 60 %. Da kann man mal sehen, wie misstrauisch man gegenüber Institutionen (im allgemeinen) werden kann. Oder würdet ihr einfach mal so eine jährliche Lastschrift von 30 Euro von eurem Konto zulassen?

PS: Anmerkung zu der Geschichte mit dem Mobiltelefonen. Die Malteser machen das in Zusammenarbeit mit Eplus. Es geht um einen oder mehrere wohl sehr teure(n) Rohstoff(e) in den Geräten. Eplus nimmt die Geräte auseinander, um an die seltenen Rohstoffe heranzukommen und sie wieder zu verwenden (lassen). Je nach Handymodell spendet Eplus zwischen 50 und 300 Cent dann den Maltesern. Eine URL auf der Eplus-Seite habe ich nicht gefunden. Damit ist auch klar, dass das alte Ladegerät des Mobiltelefones nicht interessiert.

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10-Punkte-Plan

Ich schreibe ungern bewusst von anderen Blogs ab, aber diesmal muss es sein. Heiko vom Zukunftsblog stellt den 10-Punkte-Plan zur Ausbeutung des Planeten Erde vor. Es gibt drei Flash-videos von Max von Bock zu sehen. Ach so ja, es geht um das liebe Geld.
Das ganze gibt es auch bei den Goldseiten.de.

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Demokratiewochen in Dresden



In den letzten Wochen fanden in Dresden die Demokratiewochen statt. Es gab verschiedene Veranstaltungen, darunter war auch eine Podiumsdiskussion. Leider konnte ich nicht zugegen sein, aber zum Glück gibt es einen Rückblick (pdf).

Der Rückblick ist kurz, aber dafür auch knackig. Vor allem wurden dort auch Strukturfragen gestellt. So wurde ganz deutlich das Misstrauen in die repräsentative Demokratie angesprochen. Ich zitiere:

Ebenfalls zeigte sich, dass auch in der Dresdner Bürgerschaft ein erhebliches Misstrauen in die repräsentative Demokratie besteht. Das Vertrauen in die Parlamentarier sinkt, so dass immer wieder die Forderung im Vordergrund stand, dass sich doch Fachleute mit Themen beschäftigen sollten, und nicht Politiker.

Ebenso scheint dich der Gedanke durchzusetzen, dass Verantwortung wieder mehr dezentralisiert werden muss. So dass eben die Ortsbeiräte vor Ort wieder mehr Einfluss nehmen können und nicht eine zentrale Stelle von oben herab „dirigiert“. Mir scheint, dass dort die Frage des „natürlichen Maß“ des Menschen mit hindurchschimmert. Also wie viel kann ein Mensch kompetent entscheiden und entscheiden? Wie weit reicht sein Blick? Ab wann überblickt er eine Situation / Bündel von Zusammenhängen nicht mehr?

Getragen wurden die Demokratiewochen durch die Initiative Bürger.Courage.

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