Tunnelblick

Letzte Woche gab es im Ortsamt Pieschen wieder eine öffentliche Ortsbeiratssitzung. Die Öffentlichkeit hatte die Möglichkeit, sich über den Stand der Planungen zur Reperatur/Sanierung der Leipziger Straße zu machen. Die „Leipziger“ ist auf der neustädter Seite die wichtigste Ein- und Ausfallstraße in Richtung Radebeul. Hinzu kommt, dass das Einkaufszentrum Elbepark recht viel Autoverkehr anzieht.

In den letzten Jahren wurde die Strasse schon zum grossen Teil saniert bzw umgestaltet, es bleibt der letzte Strassenabschnitt zur Bearbeitung. Und da wird es kompliziert, weil

  • der verfügbare Platz durch grosse Bäume begrenzt ist,
  • die Fluthilfemittel ausgegeben werden müssen (sonst verfallen sie) und
  • die Stadt Dresden einen anderen Plan vorsieht, als das Regierungspräsidium haben möchte.

Die folgende Karte zeigt die Leipziger Straße im grösseren Ausschnitt, damit man die die Rahmenbedingungen für den letzten Bauabschnitt auch verstehen kann.

Leipziger
Bildquelle: Google Maps

Der orange Abschnitt ist zum Teil relativ stark im Strassenuntergrund beschädigt. Am grünen Abschnitt stehen rund 40 grössere Bäume, leider recht nah an der Fahrbahn. In Pieschen Süd gibt es ein Nadelöhr, wo zwei Strassenbahntrassen zusammengeführt werden und auf stadtwärtigen Richtung Tram und sonstiger Verkehr auf nur einer Spur untergebracht sind. Das rote Nadelöhr bestimmt die Verkehrsleitungs zur Zeit massgeblich in Richtung Stadtzentrum.

Es gibt im wesentlichen 2 sinnvolle Varianten, die man für den 4. Bauabschnitt betrachten kannt. Variante A sieht den Vollausbau vor. Damit würden die Bäume gefällt werden (durch eine geringere Anzahl junger Bäume ersetzt werden) und in beide Richtungen vollwertige Strassenverhältnisse realisiert werden. Das bedeutet, dass die Strassenbahn und der restliche Verkehr ohne Probleme nebeneinander herfahren können, zumindest bis auf 550 Meter möglicher Mischverkehr (Straße zu schmal für normgerechte Trennung) von ~2000 Meter Gesamtstrassenlänge. Zusätzlich entfallen min. 20 PKW-Stellplätze. Diese Maßnahme kostet rund 9,8 Mio € und würde bis auf 250 000 € vom Regierungspräsidium bezuschusst (Fluthilfe) werden. Das folgende Bild zeigt Variante A.

Variante A, leipziger str.

Die Stadt Dresden hat zusätzlich noch die Variante C erarbeitet. Dabei bleiben die Bäume erhalten, jedoch mit der Einschränkung, dass es stellenweise (rund 400 Meter ingesamt mehr als bei Var. A) mehr Mischverkehr (ingesamt 930 Meter) gibt. Das bedeutet, dass sich Tram und restlicher Verkehr auf ca. einem halben Kilometer mehr die selbe Spur teilen müssen (als bei Variante A). Ingesamt gehen nur 4 PKW-Stellplätze verloren und diese Variante C würde 7,7 Mio € kosten. Die Strassenbahn würde auf verschwenkten Gleisen fahren und die Verkehrsleistung steht der Variante A nicht nach. Das RP Dresden fördert diese Variante nicht, somit müsste die Stadt diese Variante allein tragen.

Die beiden Varianten B1 und B2 haben ein äusserst schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältniss, so dass sie nicht wirklich zur Debatte stehen.

Das grosse „Aber“

Dem RP Dresden wurde die letzte aktualisierte Variante C nicht mehr vorgestellt, da dort nur der Vollausbau (von Hauskante zu Hauskante) oder eine Fahrbahnreparatur (Variante B1) zur Debatte steht. Der zuständige Bürgermeister Feßenmeyer (CDU) hat dort intensiv für die Variante C, bzw deren Vorläufer, gekämpft jedoch ohne Erfolg. Eine differenzierte Stellungnahme des Regierungspräsidiums liegt nicht vor.
Das Publikum der Ortsbeiratsversammlung hat nicht verstanden, warum das RP die Variante C nicht haben will. Die lapidare Antwort von Herbert Feßenmeyer, dass das Land (und die Verkehrsbetriebe) an dieser Stelle (woanders schon, Bauabschnitt Rankestr. – alter Strassenbahnhof ist reiner Mischverkehr) keinen Mischverkehr will, stiess auf wenig Verständniss. Es wurde vor allem betont, dass wegen dem Nadelöhr gar kein Vollausbau notwendig ist, da sich bereits dort entscheidet, wieviele Fahrzeuge mit der Strassenbahn in stadtwärtiger Richtung rollen.
Hinzu kommt, dass es nicht klar ist, ob durch den Strassenbrückenneubau in Niederwartha die Leipziger Straße entlastet wird.

Die fehlende Vision

Zum ersten fehlt ein grosser Plan, wie was man nun wirklich will. Möchte man motorisierten Individualverkehr oder doch vielleicht andere Lösungen fördern? Der Lebensraum Stadt ist nunmal begrenzt und nur beschränkt belastbar. Zersiedelungen (grüner Speckgrürtel) und grosse Einkaufstzentren auf der grüne Wiese erzeugen nur Zwangsmobilität. Die Informationsmöglichkeiten beschränken sich eigentlich nur auf die lokale Presse. Solche Pläne wie oben lassen sich sicherlich ohne Probleme aus der CAD-Anwendung exportieren und sind mit wenigen Mausklicks im Internet. Die gezeigten Folien wurden auch nicht per Hand geschrieben und könnten auf einer projektbezogenen Webseite sehr gut die Pläne erläutern.

Die Möglichkeiten, den Bürgern Informationsmöglichkeiten zu bieten, werden somit bei weitem nicht ausgeschöpft. Die Dokumente verbleiben im nichtöffentlichen Verwaltungsraum, zumindest bis zum Planfeststellungsverfahren. Spätestens wenn die Fristen drücken, kann man sich informieren. Aber nicht mehr über die Alternativen, sondern nur noch über Variante A, da Variante C schon im Vorfeld ausgeschieden ist.

Sobald Veränderungen relativ viele Menschen beeinflussen (in diesem Falle beeinflusst die Leipziger Straße wohl ~ 100 000 Menschen), entstehen viele Meinungen und Argumente. Was jedoch nicht entsteht, ist ein vollständiges Bild der Lage, da nicht alle Teilnehmer präsent sind. So wundert es auch nicht, dass der Ortsbeirat der Variante A nicht zugestimmt hat. Somit hat die Sanierung der Leipziger jetzt wieder eine Hürde mehr zu überwinden. Allein die Tatsache, dass kein Vertreter vom Regierungspräsidium (Mittelgeber) bei der Ortsbeiratssitzung anwesend war, macht deutlich, dass es nicht alle nötig haben, im öffentlichen demokratischen Diskurs zu debattieren.

Auch wenn die Diskussion um die ~40 alten Robinien etwas hitzig geführt wurde, eine Lösung für das Problem wurde nicht gefunden, obwohl sie fertig in den Schubladen liegt. Wenn die Institutionen aber nicht miteinander harmonieren wollen (diskutieren wollen), dann verschieben sich Probleme immer weiter. Eigentlich ist das kein gutes Zeichen, wenn Kopf und Körper verschiedenes wollen und trotzdem zusammen gehören.

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